Informationen zur Schenkungssteuer – 4 Tipps um steuerfrei zu schenken

Ob es sich um eine Immobilie, Schmuck oder ein größeres Vermögen handelt: Eine unentgeltliche Zuwendung unter Lebenden wird per Gesetzbuch als Schenkung definiert — und versteuert. Die geltenden Steuersätze und Freibeträge bei der Schenkungssteuer, werden hierbei durch den Verwandtschaftsgrad bestimmt. Dadurch haben sich einige Tricks eingestellt, um die Steuer zu reduzieren, oder sogar die ganze Zahlung zu vermeiden.

Mann überreicht Geschenke: Schenkungssteuer sparen bei Immobilien

1. Schenkung — 6 wichtige Fragen vorab


1. Wer muss eine Schenkungssteuer zahlen?
Die Schenkungssteuer wird laut dem Gesetzbuch bei einer freigiebigen Zuwendung unter Lebenden erhoben, also wenn ein Wert ohne Gegenleistung übergeben wird. Schenkungen können finanzieller oder materieller Natur sein, der Fiskus betrachtet sie als vorgezogene Erbfälle und erhebt Steuern, sollte sich die Summe nicht in den geltenden Freibeträgen bewegen.

2. Wo liegt der Unterschied zur Erbschaftssteuer?
Die Schenkungssteuer ähnelt dem Prinzip der Erbschaftsteuer, um zu verhindern das vor einem Erbe Steuern umgangen werden. Auch Informationen für diejenigen, die ein Haus geerbt haben oder ein Grundstück vererben wollen, sind in unserem Ratgeber zu finden. Es gibt jedoch ein paar Unterschiede in den Gesetzmäßigkeiten:

  • Eltern und Groß-/Urgroßeltern fallen im Rahmen der Schenkung in eine schlechtere Steuerklasse
  • es gelten keine Versorgungsfreibeträge
  • selbstgenutztes Wohneigentum ist für Kinder nicht steuerfrei, sondern nur für Ehe- und Lebenspartner

3. Wie hoch fällt die Steuer aus?
Die Höhe ist variabel, sie hängt grundlegend von drei Faktoren ab: Dem Verwandtschaftsverhältnis, der Steuerklasse und dem Wert der Schenkung.

4. Wer muss die Zahlung leisten?
Grundsätzlich muss die Schenkungssteuer von dem Beschenkten entrichtet und in einer Schenkungssteuererklärung aufgeführt werden. Zu beachten ist, dass der Schenker ebenfalls haftet, wenn die Steuer nicht beglichen wird.

5. Was ist der Freibetrag bei einer Schenkung?
Der Freibetrag ist die vom Fiskus festgelegte Summe, auf welche keine Schenkungssteuer gezahlt werden muss. Der Vorteil im Vergleich zur Freigrenze ist, dass nur der Anteil der Schenkung, welcher den Freibetrag überschreitet, steuerpflichtig ist. Der Anspruch auf den Freibetrag besteht jedoch nur alle 10 Jahre.

6. Wann muss die Schenkung gemeldet und die Zahlung beglichen werden?
Die Zuwendung muss innerhalb einer Frist von drei Monaten dem Finanzamt gemeldet werden. Dafür reicht ein formloses Schreiben, an das zuständige Finanzamt, mit folgenden Angaben:

  • Persönliche Kenndaten von dem Empfänger und dem Schenker
  • Gegenstand der Schenkung
  • Auskunft über das verwandtschaftliche Verhältnis zwischen Schenker und Beschenktem

Das Finanzamt setzt daraufhin einen separaten Steuerbescheid auf, welcher die Höhe der Schenkungssteuer erfasst, die der Beschenkte leisten muss.

Info

Sollte die Schenkung bereits von einem Notar oder gerichtlich festgehalten worden sein, muss sie nicht gesondert beim Finanzamt gemeldet werden.

2. Schenkungssteuer: Höhe und Freibeträge

Das Ausmaß der Schenkungssteuer lässt sich aus der Kombination von Steuerklasse und gesetzlichem Freibetrag ableiten. Wie bei der Erbschaftssteuer, gibt es auch bei der Schenkung drei verschiedene Steuerklassen, die durch das Verwandtschaftsverhältnis bestimmt werden. Die Freibeträge richten sich nach dem verwandtschaftlichen Verhältnis und der daraus resultierenden Steuerklasse. Der Steuersatz ist wiederum von der Steuerklasse und dem Wert abhängig.

VerwandtschaftsgradSteuerklasseFreibetragSteuersatz

Ehegatten, eingetragene Lebenspartner

I

500.000 €

7 – 30 %

Kinder, Stief-/ Adoptivkinder

I

400.000 €

7 – 30 %

Enkel (Eltern sind verstorben)

I

400.000 €

7 – 30 %

Enkel (Eltern leben), Urenkel

I

200.000 €

7 – 30 %

Bei Erbschaft: Eltern, Großeltern

I

100.000 €

7 – 30 %

Geschiedener Ehegatte, Geschwister

II

20.000 €

15 – 43 %

Neffe, Nichte

II

20.000 €

15 – 43 %

Schwieger-, Stiefeltern, Schwiegerkinder

II

20.000 €

15 – 43 %

Bei Schenkung: Eltern, Großeltern

II

20.000 €

15 – 43 %

Alle anderen

III

20.000 €

30 – 50 %

Hier wird bereits deutlich welchen großen Einfluss die familiäre Beziehung, auf den zu zahlenden Betrag hat. Schenkt ein Ehepartner seiner Frau beispielsweise eine Immobilie im Wert von einer halben Million Euro, so ist die Zuwendung für sie abgabenfrei. Sollten Sie jedoch in einer unverheirateten Partnerschaft leben, so müsste bereits eine Schenkung von mehr als 20.000 Euro versteuert werden.

Schenkungssteuer selbst berechnen


Mit diesen drei Schritten lässt sich die Schenkungssteuer einfach ausrechnen:

  1. Wert Schenkung – Persönlicher Freibetrag = Steuerpflichtiger Zugewinn
  2. Steuerpflichtiger Zugewinn x Steuersatz = Schenkungssteuer
  3. Wert Schenkung – Schenkungssteuer = Geschenktes Vermögen (netto)

Um zu ermitteln, ob bei der Schenkung von Immobilien die zugelassenen Reinbeträge überschritten werden, wird für gewöhnlich der aktuelle Verkehrswert berechnet. Ansonsten wird die Schenkungssteuer wie bei jedem anderen Vermögenswert berechnet, es gibt nur wenige Sonderregelungen:

  • Unter Ehegatten und Lebenspartnern kann selbstgenutztes Wohneigentum, für die gemeinsame Verwendung, steuerfrei verschenkt werden.
  • Bei vermietetem Wohnimmobilien sind, für alle Beschenkten, 10 % des Verkehrswertes steuerfrei.

3. Tipps zur Umgehung der Schenkungssteuer

Für diejenigen, die ein bisschen mehr von Ihrem Geschenk wollen, gibt es legale Möglichkeiten um die Schenkungssteuer zu umgehen.

3.1 Eheschließung

Sie können erheblich sparen, wenn Sie in einer langjährigen Partnerschaft eine Schenkung tätigen wollen, denn im Zuge einer Eheschließung, wird der zugelassene Freibetrag von 20.000 auf 500.000 angehoben. In speziellen Fällen kann auch eine Adoption in Erwägung gezogen werden.

3.2 In Raten schenken

Eine Methode, die ein wenig mehr Geduld voraussetzt ist, die Schenkungen im Abstand von 10 Jahren, innerhalb der zugelassenen Freibeträge zu tätigen. Da die Freibeträge alle 10 Jahre neu ausgereizt werden dürfen, kann man so auch ohne Umwege größere Schenkungen tätigen.

3.3 Kettenschenkung

Diese sehr beliebte Methode erfordert einen guten Familienzusammenhalt. Bei einer Kettenschenkung erstreckt sich die Schenkung über mehrere Angehörige, um die zugelassenen Freibeträge optimal zu nutzen.

Anwendungsbeispiel


Diese Praxis ist besonders bei Schenkungen von Großeltern zu Enkeln beliebt. Verschenken Großeltern Beträge über dem gesetzten Freibetrag von 200.000 Euro, ist es ratsam diesen erstmal an das eigene Kind zu verschenken, wo der Freibetrag 400.000 Euro beträgt. Das Elternteil verschenkt das Geld daraufhin weiter an sein Kind, denn hier gilt der gleiche Freibetrag.

3.4 Gelegenheitsgeschenke

Hierbei profitieren Schenker von der Großzügigkeit des Gesetzesgebers, bei besonderen Anlässen von der Erhebung einer Schenkungssteuer abzusehen. Für Gelegenheitsgeschenke, ist die Größenordnung nicht klar definiert, wodurch der Schenker einen relativ weiten Handlungsspielraum hat. Folgende Gelegenheiten werden als Anlass zu grenzenlosen Großzügigkeit akzeptiert:

  • Geburtstage
  • Abitur
  • Examen
  • Hochzeiten
  • Jubiläen

Auch wenn es erlaubt ist zur richtigen Gelegenheit tiefer in die Tasche zu greifen, sollte das Geschenk in einer angemessenen Relation zum Gesamtvermögen stehen.

Eine Schenkung muss demnach nicht zwangsläufig bedeuten, dass das Geschenk anteilig in Form von Steuern wieder abgegeben werden muss. Wer eine Zuwendung erwartet, oder selber tätigt, kann vorab kalkulieren, wie hoch der Steuersatz ausfällt und welche Freibeträge gelten. Gegebenenfalls findet sich anschließend ein Weg die Freibeträge rentabel zu nutzen und so unerwünschte Abgaben zu vermeiden.


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