Immobilien-Trend 2019: Umweltgerechtes Wohnen

10.01.19 • Lesezeit: 4:20 Minuten

Mit gutem Gewissen in das neue Haus einziehen und die Umwelt schonen: Eine Makler-Umfrage hat ergeben, dass sich immer mehr Käufer für umweltgerechtes Wohnen interessieren.

Umweltgerechtes Wohnen

Bedeutung umweltschonender Immobilien für die Gesellschaft

Umso mehr Menschen auf diesem Planeten leben, desto mehr Ressourcen werden verbraucht. Dieser Verbrauch und die wachsende Güterproduktionen schaden der Umwelt genauso wie der erhöhte Energiebedarf. Heute sind es zum größten Teil Konzerne, die aufgrund wirtschaftlicher Interessen einen großen Beitrag zur Umweltverschmutzung leisten. Es liegt jedoch in der Verantwortung aller einzelnen Personen, etwas zur Umweltschonung beizutragen. Tut man dies nicht, kommt es unter anderem zu immer mehr Luft-, Boden- und Wasserverschmutzungen. Das Wachstum von Müllbergen, verschmutzte Weltmeere und zerstörte Ozonschichten sind nur einige der vielen negativen Auswirkungen der Umweltverschmutzung. Dreckige Luft und unreine Wasserversorgungen schaden nicht nur der Natur, sondern können auch beim Menschen schwerwiegende Krankheiten verursachen.

Umweltfreundliche Immobilien sind ein verantwortungsvoller Schritt in Richtung Zukunft, da sie weniger Ressourcen verbrauchen und auf regenerative Energiequellen zurückgreifen. Immobilienkäufer nehmen umweltschonende Immobilien immer mehr ins Visier. Bei der Makler-Umfrage von McMakler haben fast die Hälfte der befragten Makler die Frage, ob das Thema „umweltgerechtes Wohnen“ bei Immobilienkäufern eine immer größere Rolle spiele, mit Ja beantwortet. Kaufinteressenten möchten zunehmend umweltgerecht leben und wissen, dass Umweltschonung mehr ist, als nur den Müll zu trennen oder auf Plastikgeschirr zu verzichten. Das Bewusstsein für die Umwelt nimmt zu, denn mit den Jahren entstehen auch mehr Herausforderungen für unseren Planeten. So entwickelt sich das Thema Umweltschutz bzw. Nachhaltigkeit immer mehr zum Trend – auch in Bezug auf Immobilien. Doch für wen ist das Thema „umweltgerechtes Wohnen“ relevanter: Für den Mann oder die Frau? Mit 36,36 Prozent sagt die Mehrheit der befragten Makler: für beide. Nur 4,2 Prozent haben bei der Umfrage als Antwort explizit „Männer“ angegeben, während Frauen fast fünfmal mehr interessiert sein sollen.

Umweltfreundliches Bauen: Passiv- und Aktivhäuser

Wer bekommt nicht die ständig steigenden Preise für Energieträger wie Öl oder Gas mit? Doch die Heizenergiegewinnung durch Verbrennung von Öl, Gas oder Holz ist nicht nur auf Dauer teuer, sondern verschmutzt zusätzlich die Umwelt. Alternativen müssen also her. Passivhäuser sind Gebäude, die besonders umweltfreundlich sind. Sie beanspruchen weniger Heizwärme als herkömmliche Gebäude. Hierbei liegt der Fokus auf Energiequellen wie Körperwärme, Abwärme technischer Geräte und einfallende Sonnenstrahlen statt auf Heizungen. Spezielle Fenster und Dämmungen behalten die Wärme im Haus. Eine Lüftung mit Wärmerückgewinnung kümmert sich darum, dass die Wärme der verbrauchten Luft auf die frische Luft von außen verteilt wird. Passivhäuser sind grundsätzlich zertifiziert. Der geringe Jahresenergieverbrauch für Wärme gilt als wichtigstes Merkmal des Passivhauses. Im Gegensatz zu Aktivhäusern ist der Energieverbrauch über das Jahr nicht höher als die angeeignete Energie.

Aktivhäuser sind hinsichtlich ihrer Funktionsweise Passivhäusern ähnlich, haben jedoch einen höheren Jahresenergieverbrauch. Es wird mehr Energie hergestellt, als im Haushalt verbraucht wird. Ziel ist es mithilfe von Photovoltaikanlagen, Solarthermie und Wärmepumpen nicht nur den gesamten Jahresverbrauch durch erneuerbare Energie abzudecken, sondern auch ins öffentliche Netz einzuspeisen. Zusätzlich sorgt intelligente Technologie dafür, dass der Stromverbrauch niedrig gehalten wird, indem sie sich Gewohnheiten, wie Arbeitszeiten seiner Bewohner, einprägt.

Aktivhäuser sind im Vergleich zu Passivhäusern teurer. Laut Umfrage achten jedoch Käufer beim Thema „umweltgerechtes Wohnen“ eher auf Passivhäuser als auf Aktivhäuser. Lediglich 2,8 Prozent der befragten Immobilienmakler geben an, dass Kunden an Aktivhäusern interessiert sind. Deutlich mehr Beachtung bekommt das Passivhaus mit fast 20 Prozent.

Grafik: Nachhaltiges Wohnen

Geothermie und Solaranlagen gewinnen an Relevanz

Zunächst einmal stellt sich die Frage: Was genau versteht man unter Geothermie und Solaranlagen? Geothermie, auch Erdwärme genannt, ist die vom Planeten erzeugte Wärmeenergie, die durch exakte Bohrungen angezapft und für Heizzwecke oder Stromerzeugungen verwendet wird. Oberflächennahe Geothermie nimmt Erdwärme bis zu 400 Meter in Anspruch und wird auch von Privatpersonen benutzt. Bei dieser Art der Geothermienutzung werden durch den Einsatz von Wärmepumpenanlagen Gebäude geheizt und mit Warmwasser versorgt. Dagegen sind Anlagen, die mithilfe von tiefer Geothermie betrieben werden, deutlich größer und leistungsfähiger. Bei der tiefen Geothermie werden Wärmereservoire in größeren Tiefen erschlossen, wodurch ganze Stadtviertel von Heizwärme profitieren. Durch die Nutzung regenerativer Energiequellen vor Ort sorgt Geothermie das ganze Jahr über für umweltfreundlichen Strom. Warum regenerative Energiequellen umweltschonend sind? Sie stehen dem Menschen unbegrenzt zur Verfügung.

Solaranlagen sind auch eine Form der Wärmegewinnung, beziehen aber im Gegensatz zur Geothermie ihre Wärme nicht aus dem Erdboden, sondern aus der Sonnenstrahlung. Solarthermie bezeichnet die Wärmegewinnung durch einfallende Sonnenstrahlen, während Photovoltaik statt Wärme Strom erzeugt. Eine Photovoltaikanlage wandelt die Sonnenkraft in elektrische Energie um. Dabei werden beispielsweise Solarzellen in Modulen auf Hausdächern montiert. Bei Solarthermieanlagen sorgen röhrenförmige Kollekturen für extreme Wärme. Dachflächen sollten dafür nicht im Schatten liegen und Kollekturen bestenfalls nach Süden ausgerichtet sein. Ob nun für die Warmwasserversorgung im Bad, die Poolheizung oder als Support für die Zentralheizung – Wärmegewinnung wird vielseitig genutzt. Die Kollekturen halten meist über viele Jahre und führen langfristig zur Kostenersparnis. Die Anschaffung der Photovoltaikanlage und der Solarthermieanlage werden in Deutschland staatlich gefördert.

Energiequellen wie Geothermie und Solaranlagen scheinen auch für Immobilienkäufer ein wesentlicher Bestandteil der Umweltschonung zu sein. Makler berichten, dass Käufer, die nachhaltig wohnen möchten, sich am meisten mit dem Thema Geothermie und Solaranlagen befassen. Alternative, umweltfreundliche Energieumwandlungen, die Wärme und Strom gewinnen, liegen demnach immer mehr im Trend. Knappe Ressourcen werden somit durch die Nutzung alternativer Energiequellen geschont.

Nachhaltige und natürliche Baustoffe

Die Qual der Wahl: Wer dachte, dass es kaum Auswahl an ökologischen Baustoffen gibt, hat sich geirrt. Geringe Energieaufwände und nachwachsende Rohstoffe zeichnen nachhaltige Naturbaustoffe aus. Doch nicht nur die Nachhaltigkeit wird unterstützt, sondern auch das Wohlfühlklima. Ökologische Baumaterialien wirken sich auf die Gesundheit und das Wohlergehen des Menschen positiv aus. Dies scheint auch bei Immobilienkäufern zunehmend angekommen zu sein. Aus der Erfahrung der Makler sind in einem Fünftel der Fälle Käufer darauf ausgerichtet, nachhaltige Baustoffe zu nutzen, die ohne chemische Zusätze auskommen. Dazu gehören mineralische Baumaterialien wie Kalksandstein, Lehm, Holzbaustoffe, ökologische Materialien für Fußböden, natürliche Farben sowie natürliche Dämmstoffe. Regionale Materialen sind für den Bau ökologischer Häuser am besten geeignet.

In Punkto Nachhaltigkeit spielen auch natürliche Dämmstoffe eine bedeutende Rolle, zu denen Rohstoffe wie Holzfasern, Holzwolle, Holzspäne, Hanf, Strohballen, Flachs, Schafwolle, Kork, Schilfrohr, Zellulose und Wiesengras gehören. Wie bei der Maklerumfrage herauskam, haben 12 Prozent der Makler angegeben, dass natürliche Dämmstoffe für Kaufinteressenten von Relevanz sind. Eine gute Dämmung ist unter anderem dafür wichtig, dass Heizenergie nicht aus dem Gebäude verschwindet. Darüber hinaus sorgen sie für eine Verlängerung des natürlichen CO2-Kreislaufs und schützen das Klima vor weiteren CO2-Emissionen. Nichtsdestotrotz bestehen die meisten Häuser in Deutschland nicht rundum aus ökologischen Baumaterialien. Teile, die in Verbindung mit der Erde stehen, sind meistens aus Beton.

Positive Entwicklung der Immobilienwirtschaft

Umweltfreundliche Immobilien sind wohl der wichtigste Trend in der Immobilienwirtschaft. Sie leisten einen erheblich positiven Beitrag zur Klimaentwicklung und werden zukünftig wohl immer mehr an Bekanntheit gewinnen. Umweltprobleme sind Themen, die alle Bewohner dieser Erde betreffen und in Alltagssituationen berücksichtigt werden sollten. Ein Umdenken seitens der Gesellschaft ist notwendig, um weitere erhebliche Schäden zu vermeiden. Dieses Umdenken scheint sich mittlerweile durchzusetzen. So werden auch Makler immer öfter mit dem Thema „umweltgerechtes Wohnen“ konfrontiert. Ökologische Modernisierungen haben zudem den großen Vorteil, dass mit ihnen eine Menge Geld gespart wird. Die Mehrkosten für den Bau solcher Häuser werden von der Energiekostenersparnis ausgeglichen. Wohnimmobilienfinanzierungen und der Niedrigbauzins sowie die staatliche, finanzielle Förderung des ökologischen Bauens schaffen somit zusätzliche Anreize für ein ökologisch nachhaltiges Eigenheim.


Die Online-Umfrage wurde von McMakler unter 145 festangestellten Maklern des Unternehmens durchgeführt.

Bildquelle: iStock.com/Ridofranz