Alle Informationen rund um den Energieausweis

Ein Energieausweis ist ein Dokument, das durch die Begutachtung von Heizungsanlagen und Wärmedämmung Immobilien energetisch beurteilt. Für 2018 ergeben sich auch größere Änderungen aus den Neuerungen durch die Energieeinsparverordnung 2014 beim Energieausweis. Viele Fragen drehen sich rund um das Thema Gebäudeenergieausweis, die in unserem Ratgeberartikel aufgegriffen und für Sie beantwortet werden.

Energieausweis mit Farbskala für Immobilien

Die meist gestellten Fragen auf einen Blick


Was genau ist ein Energieausweis?

Der Energieausweis ist ein im Rahmen der Energieeinsparverordnung (EnEV) entwickeltes Dokument, welches Immobilien energetisch beurteilt und die Energieeffizienz eines Gebäudes berechnet. Er enthält Informationen über den Energieverbrauch der Gebäudenutzfläche und ermöglicht die Unterscheidung von Immobilien in verschiedene Energieeffizienzklassen.


Verbrauchsausweis, Bedarfsausweis: Wann benötigt man welche Ausweisart?
Der Verbrauchsausweis ermittelt den tatsächlichen Energieverbrauch über eine Abrechnungsperiode der zurückliegenden drei Jahre. Das individuelle Nutzerverhalten der Bewohner wird erfasst.
Der Bedarfsausweis bildet den theoretischen Energieverbrauch ab. Er ist ein technisches Gutachten, welches von einem Fachmann erstellt wird.


Wie lange ist ein Energieausweis gültig?
Ein Energieausweis ist für zehn Jahre gültig. Ein neuer Ausweis wird notwendig, wenn ein Gebäude umfassend saniert oder nach energetisch relevanten Maßnahmen umgebaut wurde. Gemäß der Energieeinsparverordnung (EnEV 2014) muss in solchen Fällen die Energieeffizenz des Gebäudes neu berechnet und ein neuer Ausweis erstellt werden.


Für wen und seit wann ist der Energieausweis erforderlich?
Seit dem 1. Oktober 2008 besteht Ausweispflicht. Jedes Gebäude muss mit einem Energieausweis ausgestattet werden. Immobilieneigentümer müssen viele Dokumente beim Hausverkauf parat haben, darunter auch der Energieausweis. Dieser muss den Kaufinteressenten und Mietinteressenten bei Besichtigungsterminen vorgelegt und in Immobilienanzeigen Angaben zur Energieeffizienz gemacht werden.


Was ist die Wärmeschutzverordnung oder auch Energieeinsparverordnung EnEV?
Die Energieeinsparverordnung (EnEV) begrenzt den zulässigen Energiebedarf von beheizten oder klimatisierten Gebäuden. Sie definiert Vorgaben am Wärmedämmstandard der Gebäudehülle und der Anlagentechnik wie Heizung, Warmwasser, Lüftung, Kühlung und elektrische Hilfsenergie.


Welche Neuerungen ergeben sich aus der EnEV 2014?
Die Energieeffizienzklasse des Gebäudes wird in einer Farbskala dargestellt. Eigentümer müssen im Energieausweis genaue Angaben zu möglichen Modernisierungsempfehlungen geben. Zusätzlich wird der Energieausweise mit einer Registriernummer versehen.


Weitere Informationen zu den aufgeführten Fragen, lesen Sie im folgenden Artikel.

Vorteile eines Energieausweises

Der Energieausweis bietet für Kauf- und Mietinteressenten die Möglichkeit, den Energieverbrauch von Immobilien zu vergleichen und die daraus resultierenden Kosten zu kalkulieren. Der Gebäudeenergieausweis bietet für Immobilienbesitzer den Vorteil, den aktuellen Energiezustand einzusehen und gegebenenfalls Modernisierungsempfehlungen umzusetzen. Auch das eigene Heizverhalten kann überprüft und letztendlich Heizkosten eingespart werden.

Der Energieverbrauchsausweis enthält also wichtige Informationen über die energetische Qualität eines Gebäudes, die Verbrauchsdaten und hilft, die Höhe der zukünftigen Energie- bzw. Nebenkosten abzuschätzen. Der Energieausweis gewann durch die Weiterentwicklung der Energieeinsparverordnung zunehmend an Relevanz und wurde durch die EnEV 2007 auch für bestehende Gebäude eingeführt. Der dadurch erhoffte politische Mehrwert ist, auf Gebäude mit schlechten energetischen Kennwerten aufmerksam zu machen und den Eigentümer energetisch wirksame Modernisierungsempfehlungen zu bieten.

Welche Ausweisart für welches Gebäude?

Grundsätzlich wird zwischen zwei verschiedenen Energieausweistypen unterschieden: dem Verbrauchsausweis und dem Bedarfsausweis. Ausnahme gibt es für Nichtwohngebäude.

energieausweis-grafik



Der Energieausweis für Nichtwohngebäude:

  • Hier wird auch der Energieverbrauch für Lüftungs- und Klimaanlagen, sowie für die Beleuchtung mit einbezogen.
  • Der Eigentümer hat hier die freie Wahl zwischen dem Verbrauchsausweis und dem bedarfsorientierten Energieausweis.
  • Sollte es in dem Gebäude auch Wohnraum geben, müssen möglicherweise zwei Energieausweise angefertigt werden.

Energieverbrauchsausweis: Der Verbrauchsausweis ist einfacher zu erstellen und mit 25 bis 100 Euro preisgünstiger als der Bedarfsausweis. Für die Ermittlung des Energieverbrauchs wird meist über eine Abrechnungsperiode der zurückliegenden drei Jahre die tatsächlich verbrauchte Energie herangezogen. Das individuelle Nutzerverhalten der Bewohner beeinflusst das Ergebnis natürlich enorm. Da die meisten Bewohner einen individuellen Verbrauch haben, können nur begrenzt Aussagen über den zukünftigen Bedarf oder den energetischen Zustand der Immobilie gemacht werden. Somit ist der Verbrauchsausweis weniger aussagekräftig als der Bedarfsausweis. Die Ermittlung des Energieverbrauchs wird in der Regel vom jeweiligen Versorgungsunternehmen oder einem Messanbieter durchgeführt.

Energiebedarfsausweis: Der Bedarfsausweis bildet den theoretischen Energieverbrauch, beispielsweise den eines Wohnhauses ab. Die Grundlage des Bedarfsausweises ist ein technisches Gutachten, welches von einem Fachmann erstellt wird. Für die Berechnung der Werte von Wohngebäuden und Co. werden technische Details, wie z. B. der Zustand von Wänden, Fenstern und Heizungen herangezogen, um den Energiebedarf zu berechnen. Nicht zur Berechnung herangezogen wird das individuelle Verbrauchsverhalten der Bewohner eines Wohngebäudes. Das große Plus dieses Ermittlungsverfahrens ist die Identifizierung von energetischen Schwachstellen von Gebäuden.

Für wen ist ein Energieausweis verpflichtend?

Generell gibt es eine Energieausweis Pflicht seit dem 1. Oktober 2008. Daher muss jedes neue Gebäude entweder mit einem Energiebedarfsausweis oder einem Energieverbrauchsausweis ausgestattet werden. Die Bundesländer sind seit der Energieeinsparverordnung 2014 zu Stichprobenkontrollen verpflichtet.

Immobilieneigentümer müssen Energieausweise Kaufinteressenten und potenziellen Mietinteressenten nicht nur bei Besichtigungsterminen vorlegen – auch bei Immobilienanzeigen ist die Angabe der Energieeffizienz verpflichtend. Eigentümer müssen beim Hausverkauf oder der Vermietung einer Immobilie also grundsätzlich den Verbrauchsausweis vorlegen. Passiert das nicht, kann der Eigentümer laut den Änderungen in der Energieeinsparverordnung 2009 (EnEV 2009) mit einem Bußgeld von 15.000 Euro bestraft werden und seit der EnEV 2014 sogar mit 50.000 Euro.

Eine Ausnahme gilt nur für Gebäude, die unter Denkmalschutz stehen, sowie für kleine Gebäude mit einer Nutzungsfläche unter 50 Quadratmetern: Energieausweise werden hier nicht benötigt.

Info

Hinweis

Die ersten Energieausweise haben im Sommer 2018 ihre Gültigkeit verloren. Eigentümer, die planen ihre Immobilie zu verkaufen oder zu vermieten sollten ihre Energieausweise auf Aktualität prüfen und gegebenenfalls erneuern lassen.

Was steht im Energieausweis?

In der Regel umfasst ein Energieausweis fünf Seiten. Standardmäßig sind darin allgemeine Daten, wie Name, Anschrift und Berufsbezeichnung des Ausstellers, sowie das Ausstellungsdatum. Des Weiteren enthalten Energieausweise, die ab Mai 2014 ausgestellt wurden, eine Registriernummer, die der Kontrolle durch die zuständigen Behörden dienen soll und eine Energieeffizienzklasse auf einer Farbskala. Die Farbskala beginnt bei A+ im grünen Bereich bis hin zu H im roten Bereich, wobei A+ der beste Wert ist und eine sehr gute Energieeffizienz vorweist. Auch Gebäude mit älteren Energieverbrauchsausweisen oder Bedarfsausweisen kann man durch eine Wertetabelle eine Energieeffizienzklasse zuordnen. Der Aufbau der Energieausweistypen variiert lediglich darin, auf welcher Seite der jeweilige Kennwert angegeben ist, ansonsten sind sie deckungsgleich:

  1. Seite: Dort stehen allgemeine Informationen über die Immobilie (Adresse, Anzahl der Wohnungen, Baujahr etc.) und welches Verfahren verwendet wurde.

  2. Seite: Hier folgen die errechneten Kennwerte des voraussichtlichen Energiebedarfs, wenn es sich um einen Energiebedarfsausweis handelt. Bei einem Verbrauchsausweis ist diese Seite nicht ausgefüllt.

  3. Seite: Auf der dritten Seite werden wiederum die Kennwerte des Energieverbrauchs bei einem Verbrauchsausweis angegeben. Bei einem Bedarfsausweis werden keine Angaben gemacht.

  4. Seite: Es können Modernisierungsempfehlungen seitens des Gutachters gegeben werden, um die energetische Beschaffenheit der Immobilie zu verbessern. Für entsprechende Sanierungen, z. B. bei der Dämmung, gibt es auch staatliche Subventionen.

  5. Seite: Abschließend werden Erklärungen zu den gemachten Angaben und verwendeten Berechnungsverfahren bereit gestellt.

Zu beachten ist, dass es sich immer um den Endenergiebedarf handelt, also die tatsächlich verbrauchte Energiemenge abzüglich des Übertragungs- und Wandlungsverlusts. Der Wert eines Energieausweises kann auch vom tatsächlichen Endenergiebedarf abweichen, da bestimmte Umstände, wie die Lage der Wohnung, nicht mit einbezogen werden. Eine Heizung wird wegen des Wärmeverlustes im Erd- und Dachgeschoss beispielsweise intensiver genutzt.

Wie kann ein Energieausweis erstellt werden?

Unabhängig davon, ob Sie sich für den Bedarfs- oder den Verbrauchsausweis entscheiden, benötigen Sie zur Online-Beantragung nur wenige Minuten:

  1. Wählen Sie Ihren passenden Energieausweis. Nutzen Sie dafür auch unseren kostenlosen Ausweis-Check.

  2. Geben Sie die Daten Ihrer Immobilie wie z. B. Baujahr und Gebäudeart ganz einfach online ein.

  3. Anschließend wird Ihr Energieausweis von zertifizierten Energieberatern innerhalb von 24 Stunden erstellt.

  4. Die Bezahlung erfolgt nach Erhalt des Dokumentes auf Rechnung.

  5. Vermieten oder verkaufen Sie Ihre Immobilie mit dem neuen Energieausweis.

Welche Neuerungen gibt es seit der Energieeinsparverordnung?

Die EnEV 2014 enthält zahlreiche Neuerungen rund um den Energieausweis. So muss in Energieausweisen, die ab dem 1.5.2014 ausgestellt werden, die Energieeffizienzklasse des Gebäudes angegeben und in einer Farbskala dargestellt werden, so wie dies z. B. bei Elektrogeräten üblich ist. Die Skala reicht von A+ (Effizienzhaus 40) bis H (nicht modernisiert).

Der Aussteller des Energieausweises muss dem Eigentümer im Energieausweis (nicht mehr nur begleitend zum Energieausweis) Empfehlungen geben, wie sich die energetischen Eigenschaften des Gebäudes verbessern lassen, sog. Modernisierungsempfehlungen. Sofern dies nicht möglich ist, muss dies im Energieausweis vermerkt werden.

Jeder neue Energieausweis muss mit einer Registriernummer versehen werden. Diese beantragt der Aussteller bei der zuständigen Behörde oder auch Registrierstelle. Verstöße gegen die Registrierungspflicht können mit Bußgeldern in Höhe von 5.000 Euro bestraft werden.

Kommt es zum Abschluss eines Kaufvertrages für eine Immobilie, muss der Verkäufer dem Käufer den Energieausweis oder eine Kopie davon übergeben.


Bildquelle: ©Eisenhans/Fotolia


Auch interessant

Jetzt Immobilienwert ermitteln