Hausverlosung: Kleiner Preis für die Traumvilla?

Letztes Update: 08.06.2022

Die erste Hausverlosung fand 2008 in Österreich statt.

Die Chance, beim Lotto den großen Jackpot zu gewinnen, beträgt etwa 1 zu 140 Millionen. Rund 7,1 Millionen Deutsche spielen dennoch regelmäßig Lotto und hoffen darauf, vielleicht irgendwann mal eine achtstellige Gewinnsumme auf dem eigenen Konto wiederzufinden. Die meisten Lottospieler sind sich der minimalen Gewinnchancen vollkommen bewusst. Doch auch für die kleinste Chance, 12 Millionen Euro gewinnen zu können, geben viele Menschen gerne regelmäßig ein paar Euro aus. Es gibt ja schließlich nichts zu verlieren – der Preis für einen Lottoschein beträgt gerade einmal 1,20 Euro. Genau das macht das Lotto oder andere Verlosungen, sei es im Fernsehen, im Internet oder beim Schulbazar, so attraktiv. Ein kleiner Preis für die Aussicht auf einen großen Gewinn.

Häuserlotto – die große Chance?

Stellen Sie sich vor, Sie könnten für nur 99 Euro der Eigentümer der Immobilie Ihrer Träume werden. Bei den Preisen auf dem Häusermarkt eine absurde Vorstellung, doch im Dezember 2008 wurde dieser Wunschtraum für einen Kärntner zur Realität. Er kaufte eines der 9.999 Lose, welche jeweils zu einem Preis von 99 Euro verkauft wurden und war plötzlich über Nacht Eigentümer einer über 400 Quadratmeter großen Villa in Klagenfurt in Österreich.

Eine 400 Quadratmeter große Villa wurde in Klagenfurt in 2008 verlost.

Bei einer Hausverlosung wird eine Immobilie nicht auf gewöhnlichem Wege, wie durch einen Kaufvertrag oder eine Versteigerung, sondern durch ein Glücksspiel veräußert. Die erste Hausverlosung in der DACH-Region er, wie es zu erwarten war, jede Menge Medienrummel. In kurzer Zeit wurde die Hausverlosung in der gesamten EU zu einem neuen, boomenden Geschäftsmodell. Nach der ersten erfolgreichen Hausverlosung erhofften sich noch zahlreiche weitere Hauseigentümer, ihre Immobilie auf diesem Wege zu Geld machen zu können. Von den hunderten von Hausverlosungen wurden jedoch nur noch vier weitere Verlosungen wirklich zu Ende geführt. Das Angebot an Hausverlosungen wurde einfach zu groß, die Hauseigentümer konnten nicht mehr genügend Lose verkaufen und immer mehr zwielichtige Veranstalter sackten das Geld gutgläubiger Menschen mithilfe betrügerischer Scheinverlosungen ein.

Wie läuft eine Hausverlosung ab?

Bei einer Hausverlosung wird der Preis der Immobilie durch den Preis der Lose geteilt, wodurch die Teilnehmerzahl ermittelt wird. Der Immobilienpreis setzt sich dabei aus dem Marktwert sowie den Gebühren, Steuern und den Kosten für die Werbung und Abwicklung der Hausverlosung zusammen. Der Teilnehmer kauft sich im Internet ein Los und zahlt den Kaufpreis auf ein Treuhandkonto des Veranstalters der Verlosung ein. Daraufhin erhält er seine Losnummer. Der Zeitraum für die Verlosung wird bereits im Vorhinein bestimmt und beträgt meist ca. sechs bis acht Monate. Während dieser Zeit müssen alle Lose verkauft werden. Erst, wenn alle Lose verkauft worden sind, findet die Hausverlosung statt. Wurden nicht alle Lose verkauft, wird der Termin der Hausverlosung verschoben oder abgesagt. In solch einem Fall wird den Teilnehmern der Verlosung ihr Geld zurückerstattet.

Hausverlosungen sind in Deutschland illegal.

Sind Hausverlosungen auch in Deutschland möglich?

Nachdem die erste Hausverlosung in Österreich so erfolgreich gewesen war, versuchten sich auch einige Hauseigentümer in Deutschland daran. Die erste private Hausverlosung fand in Deutschland im Jahr 2009 in Bayern statt. Das Ergebnis: Es gab keins. Noch bevor ein Gewinner ausgelost werden konnte, wurde die Hausverlosung von der Glücksspielaufsicht gestoppt, da es sich um ein verbotenes Glücksspiel handelte.

In Österreich ist eine Hausverlosung strafrechtlich umstritten und wird in bestimmten Fällen von der Justiz geduldet. In Deutschland ist eine Hausverlosung dagegen illegal. Sie verstößt gegen den Glücksspielstaatsvertrag, und ist nach § 284 und § 287 StGB strafbar. Das Landgericht München I verurteilte den Veranstalter einer bundesdeutschen Hausverlosung im März 2010 zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Der Grund: Privatpersonen dürfen in Deutschland keine Glücksspiele veranstalten. Dafür ist eine Genehmigung erforderlich, die Privatpersonen jedoch nicht erteilt wird.

Der kleine Haken

Dass Hausverlosungen als Glücksspiel verboten sind, heißt jedoch nicht, dass niemand sein Haus verlosen könnte, wenn er es wollte. Es kommt ganz darauf an, wie die Verlosung konzipiert wird.

Das deutsche Recht unterscheidet zwischen Glücks- und Gewinnspielen. Während Glücksspiele eine bestimmte Genehmigung erfordern, die Privatpersonen jedoch nicht erteilt wird, können Gewinnspiele von jedermann veranstaltet werden. Wo liegt nun aber der Unterschied zwischen einem Gewinn- und einem Glücksspiel?

Bei einem Glücksspiel müssen die Teilnehmer einen Einsatz leisten, wie etwa ein Los kaufen, um überhaupt erst eine Gewinnchance zu haben. Der Gewinner wird allein durch Zufall ermittelt.

Bei einem Gewinnspiel muss der Teilnehmer dagegen keinen Einsatz erbringen, um eine Gewinnchance zu haben. Er gewinnt auch nicht durch pures Glück, sondern durch seine Fähigkeiten und sein Wissen.

Das heißt: Häuser können in Deutschland durchaus verlost werden, wenn dies in Form eines zu bezahlenden Gewinnspiels geschieht. Der Gewinner wird also nicht durch Glück und Zufall bestimmt, sondern muss sein Wissen und Geschick unter Beweis stellen. Das Haus könnte so, ganz legal, etwa als Preis eines Quiz verlost werden.

In Deutschland wird zwischen Gewinn- und Glücksspiel unterschieden.

Gibt es auch heute noch Hausverlosungen?

Mittlerweile ist der Trend der Hausverlosung in den meisten europäischen Ländern weitgehend ausgestorben. Als der Trend erstmals auf dem Markt an Fahrt aufnahm, war er für die Anbieter äußerst lukrativ: Bei einer Verlosung musste nicht mit Kaufinteressenten verhandelt werden, der eigentliche Marktwert der Immobilie war unbedeutend. Wer Glück hatte, konnte die Immobilie bei einer Verlosung für einen weit höheren Preis veräußern, als bei einem gewöhnlichen Verkauf. Doch wie es in der Wirtschaft eben so ist, führt ein Überangebot zu geringer Nachfrage: Viele Hausverlosungen mussten aufgrund einer zu geringen Anzahl verkaufter Lose ergebnislos abgebrochen werden, da der Hausverkäufer sonst einen Verlust gemacht hätte. Immer häufiger erhielten die Lotteriegewinner am Ende der Hausverlosung auch lediglich Geldpreise anstelle des erhofften Traumhauses, von denen sie die Immobilie anschließend kaufen mussten. Das größte Problem war jedoch die mangelnde Transparenz bei der Hausverlosung: Vor allem im Internet waren natürlich nicht nur seriöse Betreiber unterwegs, sondern auch jede Menge “Offshore”-Briefkastenfirmen, die das Geld der Teilnehmer einsackten und sich damit aus dem Staub machten.

In Deutschland und Österreich ist deshalb heute kaum noch von Hausverlosung die Rede. In anderen Ländern jedoch, etwa in Spanien oder Großbritannien, werden bis heute Immobilien mittels Glücksspielen verlost.

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