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COVID-19 Immobilienreport: Auswirkungen der Coronakrise auf den Immobilienmarkt

Letztes Update: 27.07.20

Seit dem 27. Januar 2020 ist in Deutschland nichts mehr wie es war: In Bayern wird erstmals eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 (auch COVID-19) bestätigt. Über die folgenden Wochen steigt die Anzahl Neuinfizierter exponentiell an. Einzelne Bundesländer reagieren mit Schulschließungen und Einschränkungen im öffentlichen Leben. Am 22. März 2020 verhängt die Bundesregierung eine bundesweite Kontaktsperre, die bis zum 4. Mai 2020 andauern sollte. Die Einschränkungen betreffen nahezu alle Lebens- und Geschäftsbereiche. Die Folgen für die Wirtschaft sind deutlich spürbar – nicht nur in Deutschland. Die weltweite Corona-Krise trifft die globalen Wirtschafts- und Finanzmärkte hart. McMakler hat die Marktdynamik der Corona-Krise auf dem deutschen Immobilienmarkt im Jahr 2020 mit der Marktentwicklung von 2019 als Referenzjahr verglichen.

Zusammenfassung

  • Inmitten der aktuellen COVID-19 Pandemie in Deutschland, steigenden Fallzahlen und zunehmenden wirtschaftlichen Folgen analysiert McMakler die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den deutschen Immobilienmarkt.

  • Nach anfänglich jahresüblichen Entwicklungen geht das Volumen von Neuveröffentlichungen von Immobilieninseraten mit Eintreten des Virus in Deutschland zurück. Nach einem weiteren Einbruch im Zuge der bundesweiten Kontaktsperre erholt sich das Volumen jedoch seit den Ende April eintretenden Lockerungen langsam. Der Gesamtrückgang lässt sich sowohl bei Kauf- (-36 Prozent) als auch bei Mietimmobilien (-13 Prozent) beobachten, bei Kaufimmobilien ausgeprägter und bei Mietimmobilien etwas später. Das Gesamtangebot für Immobilien (Inventar) folgt bei Kauf und Miete nach einem leichten Rückgang, infolge der Ankunft von COVID-19 in Deutschland, einem bis zur 13. Kalenderwoche andauernden Seitwärtstrend. Ab der Kontaktsperre in der 13. Kalenderwoche steigt das Inventar stetig an, stärker als im Vergleichsjahr 2019. Ebenso verzeichnet das Inventar auf beiden Märkte ab den Lockerungen der Beschränkungen eine Phase der Stagnation, bevor es ab Ende Mai wieder ansteigt. Der Anstieg fällt auf dem Mietimmobilienmarkt deutlich stärker aus.

  • Gemeinsam betrachtet ergeben sich folgende Beobachtungen: Bei Kaufimmobilien folgt auf die Ankunft des Virus ein Rückgang von Neuangeboten und Inventar, was auch auf eine rückläufige Nachfrage schließen lässt. Diese folgte seit Ende Februar einem kontinuierlichen Abwärtstrend und erholt sich erst seit den Lockerungen der Beschränkungen Ende April wieder. Aufgrund dieser verringerten Marktaktivität (-35 Prozent) lässt sich ein Anstieg des Gesamtangebots beobachten, vor allem zwischen dem bundesweiten Kontaktverbot und den Lockerungen. Bei Mietimmobilien tritt dieser Effekt erst später ein, nach den bundesweiten Maßnahmen. Jedoch führt auch hier ein Rückgang der Neuveröffentlichungen zusammen mit einer resilienteren, aber dennoch bis zu den Lockerungen rückläufigen Nachfrage zu einer verringerten Marktaktivität (-18 Prozent) und einem steigenden Gesamtangebot. Zuletzt deutet eine Stagnation des Inventarwachstums ab den Lockerungen auf ein ausgeglicheneres Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage hin, was einen Nachholeffekt letzterer vermuten lässt. Jedoch bleibt die weitere Entwicklung aufgrund eines erneuten Inventaranstiegs seit Ende Mai offen.

  • Im Bundesländervergleich fällt auf, dass die meisten Länder der deutschen Entwicklung folgen. So finden sich diese Muster in den meisten Ländern wieder, teils mit leichten Eigenheiten. Die Unterschiede finden sich überwiegend im Ausmaß der Betroffenheit wieder. Dabei stellen wir fest, dass die Kaufimmobilienmärkte einheitlicher sind und ähnliche Auswirkungen aufzeigen. In den Mietimmobilienmärkten finden sich mehr Ausreißer.

  • Eine historische Betrachtung des deutschen Immobilienmarktes zeigt auf, dass dieser in den letzten 50 Jahren relativ krisenfest war, besonders im Vergleich mit anderen Staaten. Insgesamt fällt eine klare Prognose aufgrund unklarer wirtschaftlicher Entwicklungen und niedriger Zinsen schwer. Jedoch wird ein Abflauen des Immobilienbooms erwartet, ehe es zu Nachholeffekten der Nachfrage und einer Erholung des Marktes kommt.

  • Für Käufer bringt diese Situation in erster Linie ein größeres Angebot an Immobilien mit sich, was ihre Auswahl und ihre Chancen für den Kauf ihrer Traumimmobilie erhöht.

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1. Allgemeine Lage zur COVID-19 Pandemie in Deutschland

Deutschland erlebte seinen ersten bestätigten Fall des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 (folgend COVID-19) am 27. Januar 2020 in Bayern. Über die nächsten Wochen stieg die Zahl der Infizierten exponentiell an. Dennoch konnte infolge der durch die Bundesregierung ergriffenen Kontaktsperre, welche nun mehrmals verlängert wurde, die Ausbreitung von COVID-19 in Deutschland deutlich verlangsamt werden. Zwar ist die Zahl der Infizierten weiterhin steigend, die Zahl der Genesenen jedoch deutlich höher. Somit kann ein Rückgang der laufend bestätigten Fälle beobachtet werden. Laut Robert-Koch-Institut haben sich mit Stand vom 31.05.2020 etwa 180.000 Personen in Deutschland mit COVID-19 infiziert. Zum gleichen Zeitpunkt sind mit einer geschätzten Anzahl von ca. 165.000 Personen ca. 91,03 Prozent der Infizierten genesen. Mit rund 8.500 Todesfällen liegt die Mortalität bei ca. 4,68 Prozent (siehe Abb. 1).

Zunächst ergriffen die einzelnen Bundesländer eigene Maßnahmen, wie etwa mit Schulschließungen oder Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Am 22. März 2020 beschloss die Bundesregierung eine bundesweite Kontaktsperre, welche in einer Pressekonferenz der Bundeskanzlerin am 15. April 2020 nochmals bis zum 4. Mai 2020 verlängert wurde. Trotz anfänglicher Schließungen und Einschränkungen begannen die Bundesländer nach dem 20. April im Zuge zurückgehender Fallzahlen allmählich mit der Lockerung von Beschränkungen. So konnten die verschiedenen Geschäfte und Restaurants trotz vieler Auflagen wieder ihren Betrieb aufnehmen, Innenstädte ziehen wieder Menschen zum Einkaufen und Verweilen an. Dennoch bleiben gewisse Einschränkungen bestehen, so bleiben Großveranstaltungen bis Oktober 2020 verboten. So wurden auch traditionelle, kulturelle Ereignisse, wie das Oktoberfest in München, für dieses Jahr abgesagt.

Die Folgen für die deutsche Wirtschaft sind deutlich zu spüren. Wie auch in anderen Staaten kam es zu Stilllegungen in der Industrie und zu Beschränkungen des öffentlichen Lebens. Aufgrund der bundesweiten Kontaktsperre und beispielsweise der Ladenschließungen erleben die Unternehmen massive Umsatzeinbußen. Die Bundesregierung reagierte mit Corona-Soforthilfen in Form von Zuschüssen mit bis zu 15.000 Euro oder mit zinsfreien Darlehen, um kleinere Unternehmen und Selbstständige zu unterstützen und zu entlasten.

Abb. 1: Fallzahlen von COVID-19 in der Bundesrepublik Deutschland

200722 McMakler Corona Fallzahlen

Auf dem Arbeitsmarkt werden nun die Folgen der Pandemie deutlich sichtbar. So vermeldete die Bundesagentur für Arbeit im Mai einen Anstieg der Arbeitslosenzahl auf 2,8 Millionen Personen. Relativ gesehen betrug die Arbeitslosenquote im März noch 5,1 Prozent, in Folge der Krise lag die Quote der Arbeitsuchenden im Mai bei 6,1 Prozent. Noch beachtlicher verhält es sich bei der Anzahl der Kurzarbeitenden, so stieg diese in der Phase der starken persönlichen und wirtschaftlichen Einschränkungen von ca. 40.000 Personen im Februar zwischenzeitlich bis auf 8 Millionen Personen im April an, ein historischer Höchstwert. Besonders stark traf es das verarbeitende und das Gastgewerbe sowie die sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen. Diese Bereiche machten hier mehr als die Hälfte der angezeigten Kurzarbeitenden aus. Im Zuge der Lockerungen und Öffnungen einzelner Geschäfte, vermeldete die Bundesagentur für Arbeit noch 1,1 Millionen angezeigte Kurzarbeitende für den Monat Mai.

Die globalen Finanzmärkte befanden sich in sehr turbulenten Zeiten und verzeichneten nach dem Ausbruch von COVID-19 massive Kursverluste. In Deutschland fiel der deutsche Aktienindex (DAX) am 18. März 2020 auf einen Tiefpunkt von 8.400 Punkten. Vor der vierwöchigen Talfahrt notierte der Aktienindex noch mit einem Allzeithoch von knapp 13.800 Punkten. Kurz darauf, am 19. März 2020, kündigte Christine Lagarde, die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, ein Notfallprogramm im Umfang von 750 Milliarden Euro an. Mittlerweile zeigen die Lockerungen der Kontaktbeschränkungen und weiteren konjunkturellen Maßnahmen aus Börsensicht zumindest kurzfristige Erfolge. So konnte sich der DAX nach seinem Tief Mitte März binnen zweieinhalb Monaten auf ein 11-Wochen-Hoch mit mehr als 12.000 Punkten erholen, eine relative Steigerung von mehr als 40 Prozent.


2. Auswirkungen der Coronakrise auf den deutschen Immobilienmarkt


2.1 Wie entwickeln sich die Neuveröffentlichungen von Immobilieninseraten (Kauf und Miete) während der Coronakrise?

Betrachtet man die Entwicklung der neuveröffentlichten Immobilieninserate auf dem deutschen Immobilienmarkt, lässt sich für das Jahr 2020 am Markt für Wohnimmobilien bisher ein unübliches Bild betrachten. Nach dem gewohnten Abflauen des Marktes zum Jahresende steigt die Anzahl der Neuveröffentlichungen während des Jahresbeginns normalerweise wieder an und stabilisiert sich nach den ersten Wochen auf einem höheren Niveau. Dies lässt sich gut an den Entwicklungen im Jahr 2019 erkennen, welches somit für die Analyse als Vergleichsreferenz herangezogen werden kann.

Eine entsprechende Entwicklung ist 2020 jedoch weder für Kauf- noch für Mietimmobilien zu beobachten. Zwar stieg die Zahl von Neuveröffentlichungen von Kaufobjekten im Januar noch kontinuierlich, fiel dann jedoch am Monatsende ab und bewegte sich im Folgenden wieder im Bereich des Jahresbeginns, ehe es in der zweiten Märzhälfte zu einem erneuten Rückgang kam. Der Zeitpunkt der ersten Lockerungen markierte gleichzeitig das Ende des Abwärtstrends. Danach stagnierte das Neuangebot über mehrere Wochen und ist seit Ende Mai leicht steigend (siehe Abb. 2).

Abb. 2: Neuveröffentlichungen von Kaufimmobilien-Inseraten in Deutschland im Vergleich

200722 McMakler Marktbericht Neuinserate Kauf

Bei den Mietobjekten ist ein anderes abweichendes Muster zu beobachten. Hier waren die Neuangebotszahlen ab Jahresbeginn sehr stabil und fielen erst im im Laufe des März auf ein tieferes Niveau ab. Dieses erwies sich trotz ersten Lockerungen der Kontaktbeschränkungen bis Ende Mai erneut als stabil, wonach wieder mehr neue Angebote veröffentlicht wurden, zwischenzeitlich sogar mehr als im gleichen Zeitraum 2019 (siehe Abb. 3).

Abb. 3: Neuveröffentlichungen von Mietimmobilien-Inseraten in Deutschland im Vergleich

200722 McMakler Marktbericht Neuinserate Miete

Konkret sanken sowohl für Miet- als auch Kaufobjekte die Neuveröffentlichungen in der dritten Märzwoche deutlich. Im Laufe dieser Woche, an deren Ende das bundesweite Kontaktverbot verkündet wurde, beschlossen die einzelnen Landesregierungen bereits diverse Einschränkungen des öffentlichen Lebens.

Ferner haben beide Arten der Kommerzialisierung gemeinsam, dass sie bis Ende Januar, zum Zeitpunkt des ersten COVID-19 Falls in Deutschland, über den Vorjahreswerten liegen und sich bis kurz vor Ende unserer Betrachtung darunter bewegen. Im Gegensatz zu den Mietimmobilien ist der Unterschied bei den neu veröffentlichten Häusern und Wohnungen zum Kauf jedoch deutlicher ausgeprägt. Verglichen mit 2019 ist das Neuangebotsvo-lumen im Zeitraum bis Ende Juni für Wohnim-mobilien zum Kauf um ca. 36 Prozent zurückgegangen, für Mietimmobilien um ca. 13 Prozent. Legt man nur die Neuangebote seit der Kontaktbeschränkung zu Grunde, steigt der Unterschied zum letzten Jahr sogar auf ca. -46 Prozent beim Kauf, während sich bei den Mietobjekten keine nennenswerte Veränderung ergibt.

Die vorangegangene Betrachtung lässt jedoch nur eine eingeschränkte Sicht der Dinge zu, da die Zahl der Neuobjekte an sich nicht im direkten Zusammenhang mit dem Erfolg ihrer Vermarktung steht. Um das Marktgeschehen noch besser verstehen zu können, lohnt sich daher ein zusätzlicher Blick auf die Entwicklung der gesamten Angebotszahlen (Inventar). Vereinfacht ausgedrückt kann dies Aufschluss darüber geben, wie sich die Verkaufszahlen im Verhältnis zu den neu dazugekommenen Angeboten verhalten. Etwa lässt sich ein sinkendes Gesamtangebot so interpretieren, dass während des betrachteten Zeitraums mehr Objekte verkauft wurden, als neu dazugekommen sind. Dabei wird angenommen, dass Objekte erst nach dem Verkauf aus der Vermarktung genommen werden.


2.2 Wie entwickelt sich das gesamte Immobilienangebot / Inventar während der Coronakrise?

Das Gesamtangebot für Kaufobjekte wies im Januar kaum Schwankungen auf und fiel danach bis Mitte Februar leicht zurück (siehe Abb. 4). Auf diesem niedrigeren Niveau blieb es dann zunächst stabil, ehe in der 13. Kalenderwoche ein Anstieg zu beobachten ist, der bis zum Ende April andauerte. Seit Inkrafttreten der ersten Lockerungen stagnieren die Werte weitestgehend und stiegen Ende Juni wieder leicht an. Über den gesamten Zeitraum nahm das Gesamtangebot zu, blieb jedoch hinter den Vorjahreswerten zurück.

Abb. 4: Gesamte Angebotszahlen von Kaufimmobilien in Deutschland im Vergleich

200722 McMakler Marktbericht Gesamtangebot Kauf

Beim Mietinventar lässt sich bis zum März nur wenig Veränderung feststellen, es stieg dann wie am Markt für Kaufimmobilien von der 13. Woche bis zum Zeitpunkt der Lockerungen stark an (siehe Abb. 5). Auch setzte danach zunächst Stagnation ein, doch seit Anfang Juni ist erneut ein starker Anstieg zu beobachten. Dieser war so stark, dass das Gesamtangebot für Mietobjekte am Ende dieser Betrachtung mehr als 33 Prozent über dem Vorjahreswerten zur gleichen Zeit lag.

Insbesondere lässt sich festhalten, dass das Inventar auf beiden Märkten nach dem Inkrafttreten des Kontaktverbots in der 13. Woche stark angestiegen ist. Da die neuen Veröffentlichungen schon mindestens zwei Wochen zuvor rückläufig waren und bis zum Zeitpunkt der Lockerungen in der 16. Woche blieben, lässt sich schlussfolgern, dass die Anzahl der Verkäufe bzw. Vermietungen während dieser Zeit einbrach. Anders ausgedrückt: Obwohl weniger neue Inserate geschaltet wurden, stieg das Inventar an Miet- und Kaufobjekten an. Das Ende des Anstiegs beim Gesamtinventar der Kaufimmobilien legt nahe, dass sich das Verhältnis zwischen Neuangebot und Nachfrage seit den Lockerungen zugunsten von letzterer verschoben hat.

Abb. 5: Gesamte Angebotszahlen von Mietimmobilien in Deutschland im Vergleich

200722 McMakler Marktbericht Gesamtangebot Miete

Felix Jahn, CEO und Gründer von McMakler:

„Wir beobachten auf dem Wohnimmobilienmarkt einen ungewöhnlichen Trend: Obwohl die Anzahl an neu veröffentlichten Immobilieninseraten rückläufig ist, steigt die Gesamtanzahl der veröffentlichten Immobilien. Es gibt also mehr Immobilienangebot als noch vor der Krise. Dies ist mit einer geringeren Anzahl an Verkäufen durch die verhängte Kontaktbeschränkung während der Coronakrise zu erklären. Wer also jetzt mit dem Gedanken spielt, Eigentum zu erwerben, sollte diese Phase nutzen. Der positive Aspekt für Kaufinteressenten ist, dass sie aktuell mehr Auswahlmöglichkeiten und größere Chancen auf ihre Traumimmobilie haben.“

Gibt es Unterschiede in der Entwicklung der Angebotszahlen der einzelnen Objektarten (Häuser zum Kauf, Wohnungen zum Kauf, Hauser zur Miete, Wohnungen zur Miete) während der Corona-Pandemie?
Eine Unterscheidung nach Objektart ließ keine nennenswerten Unterschiede erkennen, mit der Ausnahme, dass das Mietinventar der Häuser im Vergleich zum gesamten Mietinventar fast durchgängig über den Vorjahreswerten lag (siehe Abb. 6-9 im McMakler Corona-Immobilienreport zum Download).


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2.3 Wie entwickelt sich die Nachfrage nach Immobilien während der Coronakrise?

Zieht man die Zahlen der Neuveröffentlichungen und des Gesamtangebots zusammen, lässt sich approximativ die Nachfrage nach Wohnimmobilien berechnen, also die Anzahl der erfolgreich vermarkteten Objekte.

Bei den Kaufimmobilien waren die Entwicklung im Zeitverlauf sowie die Abweichung im Volumen gegenüber 2019 unterschiedlich (siehe Abb. 10). Hier stieg die Nachfrage bis Ende Januar leicht an und ging danach, im Zuge des ersten COVID-19-Falls, mäßig, aber stetig zurück. Mitte März zeigt sich nochmal ein kurzes Hoch, doch mit Eintreten der Kontaktsperre schließlich die gleiche Entwicklung wie für die Mietobjekte mit dem extremen Einbruch bis Mitte April und einer langsamen Erholung nach den Lockerungen, die jedoch schwächer ausfiel als auf dem Mietmarkt. Im Vergleich zu 2019 brach die Nachfrage im gesamten Zeitraum um ca. 35 Prozent, in der Zeit nach dem Kontaktverbot steigt der Rückgang auf -45 Prozent.

Abb. 10: Nachfrage nach Immobilien zum Kauf im Vergleich

200722 McMakler Marktbericht Nachfrage Kauf

Bezüglich der Mietimmobilien gab es bis zum März eine gleichmäßige Entwicklung, also auch nach Ankunft des Virus in Deutschland. Danach wies die Nachfrage einen Abwärtstrend auf, der bis zum Zeitpunkt der ersten Lockerungen anhielt (siehe Abb. 11). In der Folge war die Nachfrage kurzzeitig steigend und stabilisierte sich bis Anfang Juni auf einem höheren Niveau, ehe zum Ende dieser Betrachtung wieder ein leichter Abwärtstrend zu erkennen ist. Zum Vergleich: 2019 stieg die Nachfrage bis in den April an und sank erst wieder kurz vor der Osterzeit. In Zahlen ausgedrückt, ging die Nachfrage nach Mietimmobilien im gesamten Zeitraum gegenüber 2019 um ca. 18 Prozent zurück, für die Zeit nach dem Kontaktverbot steigt dieser Wert auf etwa 22 Prozent.

Abb. 11: Nachfrage nach Immobilien zur Miete im Vergleich

200722 McMakler Marktbericht Nachfrage Miete

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Fazit zur Entwicklung in Deutschland

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass den hier dargestellten Meilensteinen der CO-VID-19-Pandemie Veränderungen auf dem Markt für Wohnimmobilien folgten. Während nach dem ersten Auftreten in Deutschland nur die Kaufangebote betroffen zu sein schienen, brachte das bundesweite Kontaktverbot auch auf dem Mietmarkt Veränderung mit sich. So brachen im Rahmen der bundesweiten Kontaktsperre Neuangebot und Nachfrage ein, wobei letztere verhältnismäßig stärker betroffen war. Mit Eintreten der ersten Lockerungen verschob sich dieses Verhältnis zugunsten der Nachfrage, wenngleich sie nach wie vor schwerer betroffen ist. Das Gesamtangebot als zugehörige Kenngröße erlebte nach den Kontaktbeschränkungen aufgrund derer zunächst einen starken Anstieg, der nach den Lockerungen auf beiden Märkten abbrach; seit Anfang Juni wächst das Angebot an Mietobjekten jedoch wieder.

Aus Sicht der Marktdynamik lässt sich folgendes feststellen: Historisch betrachtet galt für den Immobilienmarkt für gewöhnlich, dass es für die Käufer tendenziell zu wenig Angebot gab, also die Nachfrage nach Immobilien überwog. Die aktuelle Lage gewährt den Käufern durch eine geringere Gesamtaktivität am Markt mehr Auswahlmöglichkeiten und somit tendenziell größere Kaufchancen für ihre Traumimmobilie.

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3. Immobilienmarktvergleich der Bundesländer

Nach der Analyse der bundesweiten Entwicklung des Immobilienmarktes nach Ausbruch der COVID-19-Pandemie folgt im nächsten Teil eine Betrachtung der Immobilienmärkte der einzelnen Bundesländer.

Der Bundesländervergleich im Download-PDF

Im Marktbericht zum Download finden Sie die Analyse der einzelnen Bundesländer auf den Seiten 12-89.

Dabei wird die Entwicklung in Gesamtdeutschland jeweils als Referenzrahmen herangezogen. Zuvor soll jedoch in diesem Teil eine holistische Perspektive eingenommen werden. Zu diesem Zweck werden folgend die einzelnen Bundesländer nach den rein prozentualen Auswirkungen in den Immobilienmärkten miteinander verglichen und nach ihrer Betroffenheit klassifiziert. Die Analyse erfolgt jeweils für den Kauf- und Mietimmobilienmarkt.

Die Vergleichsgrößen sind, wie in der deutschlandweiten Analyse,

  • a) das Volumen von Neuveröffentlichungen von Immobilieninseraten,

  • b) das gesamte Immobilienangebot bzw. Inventar und

  • c) die Nachfrage in den jeweiligen Märkten.

Zur Berechnung der prozentualen Veränderungen in den Immobilienmärkten wurde für die Neuveröffentlichungen sowie die Nachfrage das Volumen des beobachteten Zeitraums kumuliert, jeweils für das aktuelle Jahr und das Vergleichsjahr 2019. Daraufhin wurde der Rückgang bzw. die Zunahme des aktuellen Jahres in Relation zum Referenzjahr gemessen. Im Falle des Inventars konnte das in der bundesweiten Analyse vorgefundene Muster, mit einem zunehmenden Anstieg des Inventars nach Inkrafttreten der bundesweiten Kontaktbeschränkungen (am 23. März 2020 / ab KW 13), in den meisten Bundesländern ebenfalls vorgefunden werden. Dementsprechend wurde hier der prozentuale Anstieg des Inventars im Zeitraum von KW 13 bis KW 16 (Ende der Betrachtung) dieses Jahres gemessen. Hierfür wurde das Inventar in KW 16 in Relation zum Inventar in KW 13 gesetzt.


3.1 Vergleich der Kaufimmobilienmärkte

Betrachtet man die Kaufimmobilienmärkte der Bundesländer, so erkennt man die Ähnlichkeit zur gesamtdeutschen Entwicklung (siehe Tab. 1). Insgesamt bewegt sich die Mehrheit der Bundesländer in einem ähnlichen Bereich wie die Bundesrepublik allgemein. Für alle drei beobachteten Vergleichsgrößen liegen jeweils 11 Bundesländer (und damit rund 69 Prozent) in einem Abweichungsbereich von bis zu 5 Prozent um den deutschen Mittelwert. Dies impliziert, dass sich die Beobachtungen auf gesamtdeutscher Ebene in den meisten lokalen Immobilienmärkten ähnlich abgespielt haben. Dies wird ebenfalls in der Betrachtung der einzelnen Bundesländer im nächsten Teil dieses Berichts ersichtlich.

a) Neuveröffentlichungen
Betrachtet man die Neuveröffentlichungen von Inseraten für Kaufimmobilien, so fällt auf, dass alle Bundesländer im Vergleich zu 2019 einen Rückgang des Volumens zu verzeichnen haben. Die Spanne liegt dabei zwischen -1 Prozent und -40 Prozent. Die meisten Bundesländer sind von einem Abfall von ca. 20 Prozent oder mehr betroffen. Dabei findet sich ebenfalls die Mehrheit der Länder in der Nähe des Bundesschnitts von -30 Prozent wieder. Die Bundesländer, welche am wenigsten von diesen Rückgängen betroffen sind, sind an erster Stelle Bremen als Ausreißer (-1 Prozent), gefolgt von Berlin (-17 Prozent) und Brandenburg (-18 Prozent). Die am schwersten betroffenen Länder sind das Saarland und Schleswig-Holstein mit jeweils -35 Prozent, Hessen bildet mit einem Rückgang von 40 Prozent das Schlusslicht.

b) Kaufinventar
Hinsichtlich des gesamten Angebots an Kaufimmobilien (Kaufinventar) ergibt sich ein sehr ähnliches Bild wie bei den Neuveröffentlichungen. So lässt sich für alle Länder ein Anstieg des Inven-tars seit dem bundesweiten Kontaktverbot beobachten. Der Bereich liegt dabei zwischen +8 Prozent und +21 Prozent. Ebenso finden sich praktisch alle Bundesländer im Bereich des Durchschnitts wieder, es sind keine auffälligen Ausreißer zu beobachten, wie zum Beispiel mit Bremen bei den Neuveröffentlichungen. Die Länder, welche den größten Anstieg des Inventars und damit des Immobilienangebots für Käufer erlebt haben, sind Brandenburg, Hamburg und Nordrhein-Westfalen mit jeweils +21 Prozent. Der geringste Anstieg lässt sich in den Ländern Thüringen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern beobachten. Dabei belegt Thüringen mit einem Anstieg von 10 Prozent den 14. Platz, dahinter liegt Niedersachsen mit +9 Prozent. Mecklenburg-Vorpommern verzeichnet mit +8 Prozent den geringsten Anstieg in der Bundesrepublik und fällt damit im nationalen Vergleich auf den letzten Platz.

c) Nachfrage nach Kaufimmobilien
Bei Betrachtung der Nachfrage nach Kaufimmobilien ergibt sich ein vielschichtigeres Bild: So entwickeln sich hier nicht alle Länder in eine Richtung, der Bereich der Werte liegt zwischen +2 Prozent und -40 Prozent. Weitergehend finden sich bei der Nachfrage unter den Bundesländern mehr Ausreißer, vor allem im Bereich der niedrigeren Rückgänge. Dennoch liegen die meisten Bundesländer in einem ähnlichen Bereich wie der nationale Durchschnitt. Im Falle der Nachfrage sind Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt am schwächsten betroffen. Bremen verzeichnet als einziges Bundesland sogar einen Anstieg der Nachfrage (+2 Prozent) und ist damit Spitzenreiter. Mecklenburg-Vorpommern (-12 Prozent) und Sachsen-Anhalt (-16 Prozent) belegen mit verhältnismäßig schwachen Einbußen den zweiten und dritten Platz. Besonders schwer sind die gleichen Länder wie im Falle der Neuveröffentlichungen betroffen. Hessen trifft es mit einem Minus von 40 Prozent bundesweit am stärksten, das Saarland und Schleswig-Holstein belegen mit je -32 Prozent die Plätze 14 und 15.

Tab.1: Auswirkungen in den Kaufimmobilienmärkten der Bundesländer im Vergleich

Tabelle 1. Die Auswirkungen in den Kaufimmobilienmärkten der deutschen Bundesländer im Vergleich

Felix Jahn:

„Auffällig ist, dass die meisten Bundesländer der Entwicklung Gesamtdeutschlands folgen. Demnach beobachten wir nach Inkrafttreten der bundesweiten Kontaktbeschränkungen am 23. März 2020 einen Anstieg des Immobilienangebots in den meisten Ländern. Unterschiede finden sich vor allem im Ausmaß der Betroffenheit, besonders im Mietimmobilienmarkt zeigen sich deutliche Ausreißer.“


3.2 Vergleich der Mietimmobilienmärkte

Bei einer genaueren Betrachtung der Mietimmobilienmärkte der verschiedenen Bundesländer fällt auf, dass die Entwicklung hier weniger einheitlich war als im Falle der Kaufimmobilienmärkte (siehe Tab. 2). Zwar folgen auch hier die Märkte einem ähnlichen Muster, wie es in der Bundesrepublik allgemein beobachtbar ist, allerdings fallen hier die Auswirkungen unterschiedlicher aus, somit weichen auch mehr Bundesländer vom deutschen Durchschnitt ab. Dies wird besonders beim gesamten Angebot an Mietimmobilien (Mietinventar) ersichtlich. So befinden sich auch weniger Bundesländer im bereits genannten Abweichungsbereich von 5 Prozent um den nationalen Mittelwert, im Falle der Neuveröffentlichungen 9 Länder (56 Prozent), beim Mietinventar lediglich 3 Länder (19 Prozent) und im Falle der Nachfrage nach Mietimmobilien 8 Länder (50 Prozent). Ebenso fallen die Auswirkungen im Vergleich zum Kaufimmobilienmarkt durchschnittlich bei den Neuveröffentlichungen und der Nachfrage milder aus, im Falle des Inventars stärker.

a) Neuveröffentlichungen
Wie auch bei den Neuveröffentlichungen von Kaufimmobilien haben bei den Neuveröffentlichungen von Mietimmobilien die meisten Länder einen Rückgang im Vergleich zu 2019 zu beklagen. Dabei liegen die Auswirkungen in einem Bereich zwischen +15 Prozent und -30 Prozent. Jedoch beträgt der Rückgang im Falle von 15 der 16 Länder mindestens 10 Prozent. Ebenso finden sich hier mehrere Ausreißer, vor allem im Bereich größerer negativer Auswirkungen. Das am wenigsten betroffene Bundesland in dieser Kategorie ist als absoluter Ausreißer Baden-Württemberg (+15 Prozent), welches auch als einziges Land einen Anstieg des Neuangebots erlebt hat. Darauf folgen Hessen (-10 Prozent) und Bayern sowie Rheinland-Pfalz (-11 Prozent) mit vergleichsweise milden Abfällen. Das am schwersten betroffene Land ist Mecklenburg-Vorpommern mit einem Einbruch von 30 Prozent, gefolgt von Berlin und Bremen mit jeweils -25 Prozent.

b) Mietinventar
Beim Mietinventar fallen die Unterschiede zwischen den Ländern insgesamt am größten aus. Zwar haben auch hier alle Länder seit dem bundesweiten Kontaktverbot ein ansteigendes Inventar beobachten können, jedoch in sehr variierendem Ausmaß. So liegt der Anstieg je nach Bundesland zwischen 6 Prozent und 108 Prozent, letzteres ist fast das Vierfache des nationalen Durchschnitts. Ebenso liegt beinahe keines der Bundesländer im Bereich des deutschen Schnitts, es finden sich zahlreiche Ausreißer an beiden Enden des Spektrums wieder. Dies wird ebenfalls dadurch ersichtlich, dass sich kein einziges Bundesland im Bereich zwischen +16 Prozent und +33 Prozent wiederfindet. Die Bundesländer mit dem stärksten Anstieg des Mietinventars sind bundesweit Berlin (+108 Prozent), gefolgt von Hamburg (+95 Prozent) und Baden-Württemberg (+79 Prozent). Die geringsten Zunahmen lassen sich in Sachsen (+9 Prozent), Sachsen-Anhalt (+8 Prozent) und dem Saarland (+6 Prozent) an letzter Stelle beobachten.

c) Nachfrage nach Mietimmobilien
Analog zu den Neuveröffentlichungen haben die meisten Länder hinsichtlich der Nachfrage auch auf dem Mietimmobilienmarkt einen Einbruch im Vergleich zu 2019 zu verzeichnen. Der Bereich der Auswirkungen liegt dabei zwischen +8 Prozent, wobei nur ein Land einen Anstieg verzeichnet, und -30 Prozent. Dabei finden sich in dieser Kategorie zwar auch Ausreißer, jedoch bei weitem nicht so extrem wie im Falle des Mietinventars. So weichen die wenigsten Länder besonders auffällig vom deutschen Mittelwert ab. Die Bundesländer mit den mildesten Auswirkungen sind Baden-Württemberg (+8 Prozent), welches sogar einen Anstieg der Nachfrage melden kann, sowie Thüringen (-2 Prozent) an zweiter und Sachsen-Anhalt (-5 Prozent) an dritter Stelle. Die Länder, welche am stärksten betroffen sind, sind Berlin (-30 Prozent), gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen mit einem Minus von jeweils 24 Prozent.

Tab. 2: Auswirkungen in den Mietimmobilienmärkten der Bundesländer im Vergleich

Tabelle 2. Die Auswirkungen in den Mietimmobilienmärkten der deutschen Bundesländer im Vergleich

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4. Historische Betrachtung des deutschen Immobilienmarktes und Ausblick

Wie auch in der Wirtschaft lassen sich seit der Ankunft von COVID-19 in Deutschland Veränderungen auf dem Immobilienmarkt beobachten. So können zum Beispiel weniger Besichtigungen durchgeführt werden und Käufer sind aufgrund der unklaren Lage vorsichtiger geworden. Während für die Wirtschaft bereits von einer Rezession über die nächsten Monate ausgegangen wird, ist noch unklar, ob diese Situation auch das Ende des Immobilienbooms der letzten Jahre mit sich bringt.

Zum besseren Verständnis der zukünftigen Ent-wicklung soll in diesem Teil die Entwicklung des deutschen Immobilienmarktes in den letzten 50 Jahren (1970-2019) analysiert und mit vier historisch relevanten Wirtschaftskrisen in Verbindung gebracht werden, sowohl einzeln betrachtet als auch im internationalen Vergleich. Zusätzlich dazu soll die Entwicklung des Immobilienmarktes mit der Entwicklung anderer Kennzahlen verglichen werden, konkret mit der Entwicklung des effektiven Hypothekenzinses der deutschen Bundesbank sowie mit der Entwicklung des DAX. Als Kenngröße des Immobilienmarktes wird der Hauspreisindex herangezogen. Schließlich wird basierend auf den beobachteten Zusammenhängen ein Ausblick in die Zukunft formuliert.


4.1 Auswirkungen von Wirtschaftskrisen auf den deutschen Hauspreisindex

Betrachtet man die Entwicklung des deutschen Hauspreisindexes seit 1970, so erscheint dieser über die Jahre stark schwankend (siehe Abb. 124). Bei genauerer Betrachtung fällt jedoch auf, dass sich diese Schwankungen über die Jahre in einem relativ kleinen Spektrum bewegen, in der Regel im Rahmen von 10 Prozent über oder unter dem Basisindex von 1970. Lediglich nach der Weltwirtschaftskrise 2007 lag der Hauspreisindex unter 0,90, bevor er seitdem einen einen positiven Trend annahm und in den letzten Jahren über 1,10 stieg.

Ebenso wird ersichtlich, dass der deutsche Hauspreisindex nur in einem geringen bis mittleren Maße von historischen Wirtschaftskrisen beeinflusst wurde. Es ist erkennbar, dass die erste Ölkrise 1973 durchaus Auswirkungen auf den Index hatte. So markierte sie das Ende des Wirtschaftswunders der Nachkriegsjahre, welches durch ein starkes Wirtschaftswachstum, Vollzeitbeschäftigung und niedrige Zinsen gekennzeichnet war. Durch die stagnierende Wirtschaft und steigende Arbeitslosigkeit sank auch der damalige Hauspreisindex auf ein niedrigeres Niveau, erholte sich in den Folgejahren aber zügig bis zur zweiten Ölkrise 1979/1980. In dessen Folge fiel er wieder ab, stabilisierte sich mehrere Jahre auf einem Niveau, und stieg dann im Zuge der deutschen Wiedervereinigung wieder an, ehe es ab 1995 durch eine stagnierende Wirtschaft, steigende Arbeitslosigkeit und geringes Bevölkerungswachstum zu einem kontinuierlichen Rückgang bis 2008 kam. Die Dotcom-Krise von 2000 fällt dabei nur marginal ins Gewicht, es ist eine minimale Verstärkung des Abstiegs zu erkennen, jedoch fällt hier eine Betrachtung eines isolierten Effektes schwer. Die Weltwirtschaftskrise 2007 schien keine nennenswerten Effekte auf den Index zu haben, da sich dieser 2008 auf einem Niveau stabilisierte und seit 2010 ununterbrochen ansteigt.

Obwohl die historischen Weltwirtschaftskrisen der letzten 50 Jahre teilweise beobachtbare Auswirkungen auf den deutschen Hauspreisindex hatten, fallen diese Auswirkungen insgesamt eher klein aus.

Abb. 124: Entwicklung des deutschen Hauspreisindexes von 1970 bis 2019

Abbildung 124. Entwicklung des deutschen Hauspreisindexes von 1970 bis 2019 (Index 1970 = 100; Quelle: Institute of Research in Economic and Fiscal Issues) (Index 1970 = 100; Quelle: Institute of Research in Economic and Fiscal Issues)


4.2 Entwicklung der Hauspreisindizes in Deutschland und anderen Staaten im Vergleich

Die Stabilität des Hauspreisindexes in Deutschland wird sehr ersichtlich, wenn andere Staaten, in diesem Fall die USA und Großbritannien, zu einem Vergleich herangezogen werden (siehe Abb. 125). So erscheint die Entwicklung des deutschen Indexes beinahe konstant, mit minimalen zyklischen Schwankungen. Die britischen und amerikanischen Indizes regieren wesentlich sensibler auf wirtschaftliche Krisen, besonders im Falle der Weltwirtschaftskrise 2007 ist der Effekt gut beobachtbar. Insbesondere der britische Hauspreisindex reagiert erkennbar auf solche Krisen. So kam es nach beiden Ölkrisen, der wirtschaftlichen Rezession Anfang der 1990er Jahre und nach der Krise von 2007 zu einem Einbruch des Hauspreisindexes. Lediglich die Dotcom Krise 2000 hatte keine direkt erkennbaren Auswirkungen auf den Immobilienmarkt in den USA und Großbritannien, wie auch in der Bundesrepublik.

Der internationale Vergleich zeigt, dass Wirtschaftskrisen zwar Auswirkungen auf die Hauspreisindizes haben, diese jedoch nach Staaten variieren können. Im Falle der Bundesrepublik Deutschland unterstreicht dieser Vergleich die Krisenresistenz des nationalen Immobilienmarktes.

Abb. 125: Entwicklung der Hauspreisindizes in Deutschland, Großbritannien und USA von 1970 bis 2019

Abbildung 125. Entwicklung der Hauspreisindizes in Deutschland, Großbritannien und USA von 1970 bis 2019

(Index 1970 = 100; Quelle: Institute of Research in Economic and Fiscal Issues)


4.3 Entwicklung des deutschen Hauspreisindexes in Relation zu anderen Kennzahlen

Während der deutsche Immobilienmarkt sich wie beobachtet über die Jahre relativ krisenresistent verhielt, lohnt sich eine Betrachtung der Entwicklung im Vergleich mit anderen Kennzahlen, da Wirtschaftskrisen offensichtlich nicht die einzigen möglichen Einflussfaktoren auf den Immobilienmarkt sind. Im Rahmen dieser Analyse wurden zwei für diesen Markt relevanten Kennzahlen mit dem Hauspreisindex verglichen.

Als erste Kennzahl wurde hierfür die Entwicklung des Deutschen Aktienindexes (DAX) zum Vergleich herangezogen (Der DAX misst die Wertentwicklung der 30 größten deutschen börsennotierten Unternehmen). Die Entwicklung des DAX dient oftmals als Orientierung für den Stand der deutschen Wirtschaft, so wird ein starker DAX mit einer guten Wirtschaftslage in Verbindung gebracht. Eine starke Konjunktur wiederum übt Einfluss auf den Immobilienmarkt aus.

Betrachtet man die Entwicklung des DAX und des deutschen Hauspreisindexes, so lassen sich keine relevanten auffälligen Muster identifizieren (siehe Abb. 126). So reagiert der DAX logischerweise stark auf wirtschaftliche Krisen, wie an den Einbrüchen nach der Dotcom-Krise 2000 und der Weltwirtschaftskrise 2007 zu erkennen ist. Der Hauspreisindex ist davon jedoch nicht merklich betroffen. Trotz zeitweise paralleler Verläufe (z.B. seit 2010) lassen sich aus der Entwicklung des DAX keine Muster erkennen, die Rückschlüsse auf die Entwicklung des Immobilienmarktes erlauben. Dies wird aus der Korrelation beider Kennzahlen ersichtlich, welche einen statistisch signifikanten Zusammenhang widerlegt (Korrelationskoeffizient ρ = -0,0998; p-Wert = 5,9 Prozent).

Abb. 126: Entwicklung des deutschen Hauspreisindexes und des Deutschen Aktienindexes (DAX) von 1990 bis 2019

Abbildung 126. Entwicklung des deutschen Hauspreisindexes und des Deutschen Aktienindexes (DAX) von 1990 bis 2019

(Index 2000 = 100; Quellen: Institute of Research in Economic and Fiscal Issues, statista.com)

Als zweite Vergleichsgröße wurde der effektive Hypothekenzinssatz der deutschen Bundesbank herangezogen. Der effektive Hypothekenzins dient als Annäherung der Kosten für einen aufgenommenen Immobilienkredit. Somit erlaubt ein niedriger Zins die Aufnahme von günstigen Darlehen und erleichtert den Kauf von Immobilien für Konsumenten. Erhöhte Investitionen in Immobilien haben schlussendlich einen Einfluss auf die Preise von Immobilien und dadurch auch auf den Immobilienmarkt.

Im Gegensatz zu der Entwicklung des DAX las-sen sich im Falle des Hypothekenzinses Zusammenhänge mit der Entwicklung des deutschen Hauspreisindexes erkennen (siehe Abb. 127). Zu Beginn der Jahrtausendwende bewegte sich der Hypothekenzins noch auf einem hohen Niveau und der Hauspreisindex überwiegend abwärts. Mit dem starken Abfall des Hypothekenzinses im Nachgang der Weltwirtschaftskrise 2007 auf unter 4 Prozent begannen die Immobilienpreise, kontinuierlich zu steigen. Die Senkung des Zinssatzes auf weniger als 2 Prozent ab 2014 ist in einer verstärkten, fast exponentiellen Steigung des Hauspreisindexes erkennbar. So lässt sich ein negativer Zusammenhang zwischen den beiden Kennzahlen erkennen, welcher durch die statistisch signifikante und starke negative Korrelation beider Kennzahlen unterstrichen wird (Korrelationskoeffizient ρ = -0,8233; p-Wert = 8,2 Prozent).

Abb. 127: Entwicklung des deutschen Hauspreisindexes und des Hypothekenzinses von 2000 bis 2019

Abbildung 127. Entwicklung des deutschen Hauspreisindexes und des Hypothekenzinses von 2000 bis 2019

(Index 2000 = 100; Quellen: Deutsche Bundesbank, statista.com)

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5. Ausblick

Die Betrachtung der historischen Entwicklung des deutschen Immobilienmarktes im Kontext verschiedener Wirtschaftskrisen und in Verbindung mit anderen Kennzahlen lässt keine eindeutigen Aussagen über die zukünftige Entwicklung zu. Wie erwähnt hatten Wirtschaftskrisen in den letzten 50 Jahren einen leichten Einfluss auf den deutschen Hauspreisindex. Dennoch war dieser Einfluss nicht für alle Krisen beobachtbar und fiel allgemein viel schwächer aus als zum Beispiel in anderen internationalen Immobilienmärkten. Der Vergleich mit der Entwicklung des DAX hat keinen signifikanten Zusammenhang herstellen können, somit lassen sich aus diesen aktuellen Entwicklungen ebenfalls keine Rückschlüsse auf die Zukunft ableiten. Beim Hypothekenzins der Bundesbank konnte eine signifikante negative Korrelation identifiziert werden. Jedoch bewegt sich der Zinssatz bereits auf einem sehr niedrigen Niveau, so dass es hier nicht mehr zu weitreichenden Senkungen kommen könnte.

Maßgebliche Faktoren dafür lassen sich auf dem deutschen Immobilienmarkt selbst finden. So hat Deutschland im Vergleich zu anderen Staaten einen sehr gut funktionierenden Mietmarkt. Deshalb investieren im Vergleich zu den USA oder Großbritannien wesentlich weniger Konsumenten in Immobilien. Ebenso werden in Deutschland Kredite vergleichsweise zögerlich vergeben, so dass Deutsche mit relativ viel Eigenkapital investieren. Dies mindert das Risiko einer Immobilienblase, wie sie zum Beispiel im Vorfeld der Weltwirtschaftskrise 2007 in den USA beobachtbar war.

Die Konstellation solcher Faktoren bedingt geringere Schwankungen am deutschen Immobilienmarkt. Dennoch fällt eine klare Prognose schwer. Schließlich wird der Hauspreisindex von einer Fülle von Faktoren bestimmt, die nicht alle im Rahmen dieses Berichts analysiert werden konnten. Dazu gehören neben konjunkturellen und geldpolitischen Gegebenheiten auch Kriterien wie Politik, staatliche Förderungen und Lebensgewohnheiten der Menschen, die schwieriger in Relation zu setzen sind.

Letztendlich fällt eine Prognose auch schwer, da die Auswirkungen von COVID-19 unter allgemeiner Unsicherheit generell schwer abschätzbar sind. So stellt diese Pandemie die Bundesrepublik durch eine stagnierende Wirtschaft, steigende Arbeitslosigkeit und Unsicherheit bei Konsumenten vor neue Herausforderungen. Wirtschaftlich kann mit einer mittelschweren bis schweren Rezession gerechnet werden. Historisch hatten solche Krisen einen Einfluss auf den deutschen Immobilienmarkt, wenn auch nicht massiv. Ebenso zeigen die Ergebnisse dieses Berichts, dass es zu Veränderungen auf dem deutschen Immobilienmarkt kommt, zum Beispiel durch ein sinkendes Angebot und sinkende Nachfrage. Betrachtet man diese Entwicklungen unter Einbezug der analysierten Einflussfaktoren, so erscheint ein Abflauen des Wachstums des deutschen Hauspreisindexes mit einer anschließenden Stabilisierungs- und Erholungsphase realistisch. Aufgrund der historischen Stabilität des deutschen Marktes erwartet McMakler jedoch keine dauerhafte Rezession auf dem Immobilienmarkt, da bei aktuell ansteigendem Angebot von Nachholeffekten der Nachfrage ausgegangen wird, welche den Markt wieder in Schwung bringen würden.

Felix Jahn resümiert:

„Für Kaufinteressenten bringt die aktuelle Situation in erster Linie ein größeres Angebot an Kauf- sowie Mietimmobilien mit sich, was mit einer geringeren Anzahl an Verkäufen und Vermietung durch die verhängte Kontaktsperre während der Coronakrise zu erklären ist. Eine Prognose, was die Preisentwicklung auf den Märkten angeht, lässt sich aktuell noch nicht seriös und datenbasiert treffen, obwohl manche Eigentümer im Rahmen der aktuellen Krise dazu neigen, ihre Immobilienbestände schnell zu liquidieren. Wir gehen aber zunächst von einem sehr volatilen Markt in den kommenden Wochen und Monaten aus. Daher beobachten unsere regionalen Experten die Standorte täglich und können Interessenten bestens beraten.“

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Die Datenerhebung von McMakler basiert auf eigens erhobenen Daten unserer aktuellen und vergangenen Inserate sowie der stichprobenartigen Auswertung von Immobilienangeboten verschiedener regionaler und deutschlandweiter Offline- und Online Quellen für die Zeiträume Januar bis April 2019 sowie 2020. Alle in dem Bericht zum Ausdruck gebrachten Ansichten spiegeln die Einschätzung der Autoren zu diesem Zeitpunkt wider und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Aussagen, die zukunftsgerichtet sind, beinhalten bekannte und unbekannte Risiken und Unsicherheiten, die dazu führen können, dass sich die zukünftigen Realitäten erheblich von denen unterscheiden, die in solchen zukunftsgerichteten Aussagen impliziert sind. Ratschläge, die wir Kunden in bestimmten Situationen geben, können von den in diesem Bericht geäußerten Ansichten abweichen. Investitions- oder andere Geschäftsentscheidungen sollten nicht allein auf Grundlage der in diesem Bericht zum Ausdruck gebrachten Ansichten getroffen werden.

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