Tiny Houses: Nachhaltig Wohnen auf kleinstem Raum

Letztes Update: 23.07.2021

Bezahlbarer Wohnraum ist in Deutschland ein rares Gut – insbesondere in den Großstädten. Wer keine überteuerten Mietwohnungen bezahlen möchte, zieht deshalb immer öfter den Umzug in ein Tiny House in Betracht. Doch kann der Wohntrend aus Amerika wirklich dazu beitragen, das Problem der Wohnungsnot zu lösen? Dieser Frage gehen wir in unserem Beitrag nach.

Klein, mobil, nachhaltig – das sind Tiny Houses

In Anbetracht der steigenden Mietpreise und des Mangels an bezahlbarem Wohnraum interessieren sich auch in Deutschland mehr und mehr Menschen für den amerikanischen Trend vom Wohnen im Kleinformat. Der Grund: Tiny Houses versprechen kostengünstiges und nachhaltiges Wohnen sowie maximale Freiheit – und das auf gerade einmal 10 bis 40 Quadratmetern. Damit es Bewohnern von Tiny Houses an nichts fehlt, ist eine effiziente Raumnutzung in den Minihäusern entscheidend. Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigt zum Beispiel die Dokureihe „Tiny House, Big Living“, die motivierte Singles, Paare und Familien beim Bau ihres Eigenheims im Miniaturformat begleitet.

Tiny Houses – der kostengünstige Weg zum Eigenheim?

Dank der kleinen Wohnfläche sind bei Tiny Houses die Kosten für Bauherren in der Regel deutlich geringer als beim Bau eines klassischen Einfamilienhauses. Wer sich für ein Modell auf Rädern entscheidet, gewinnt zudem die Freiheit, jederzeit mobil zu sein und mitsamt der eigenen vier Wände verreisen zu können – zumindest in der Theorie. In der Realität kommen bei solchen Ambitionen einige rechtliche Aspekte hinzu, die (künftige) Besitzer von Tiny Houses kennen sollten:

„Die Idee vom Tiny House weckt bei vielen Großstädtern Sehnsüchte nach einem unkomplizierten, entschleunigten Leben. In der Realität entpuppt sich dieser Wunsch oft als Illusion. Wer in ein Tiny House investiert, wird sich früher oder später beispielsweise mit Stellplatz-Regelungen auseinandersetzen müssen oder hat Genehmigungen einzuholen.“

-Tim Klamann, Standortleiter McMakler in Berlin und Brandenburg

Tiny Houses auf Rädern: Zulassung als Wohnmobil oder als Ladung?

Wer sich für ein mobiles Tiny House entscheidet und dieses auch bewegen will, der benötigt dazu eine Straßenzulassung – entweder als Wohnwagen oder als Ladung. Beide Optionen sind an bestimmte Bedingungen geknüpft:

  • Für eine Zulassung als Wohnwagen ist etwa eine Betriebserlaubnis von einem amtlich anerkannten Sachverständigen beziehungsweise einem TÜV- oder DEKRA-Prüfer nötig. Haben Tiny Houses diese Hürde genommen und sind als Wohnwagen zugelassen, müssen Besitzer sie als solche versichern, versteuern und regelmäßig technisch kontrollieren. Ein weiterer Nachteil: Wer sein Tiny House als Wohnwagen anmeldet, darf es höchstens zwei Wochen lang unbewegt an einem Platz stehen lassen – es sei denn, es handelt sich um einen Stellplatz auf einem Campingplatz.

  • Um diesem Problem aus dem Weg zu gehen, melden einige Besitzer von Tiny Houses Ihr Gefährt als Ladung an. In der Regel fällt bei dieser Option auch der bürokratische Aufwand geringer aus. Zu beachten ist allerdings, dass sämtliches bewegliche Mobiliar in Tiny Houses ebenfalls zur „Ladung“ zählt und bei Fahrten entsprechend zu sichern ist. Geschieht dies nicht, wird es im Schadensfall schnell teuer.

Tiny Houses können als Wohnwagen oder als Ladung angemeldet werden.

Tiny Houses als fester Wohnsitz

Haben Sie vor, ein Tiny House zu kaufen, als vollwertigen Wohnsitz zu nutzen und es dazu auf einem Grundstück zu platzieren, muss es dort genehmigt werden wie jedes normale Wohnhaus auch. Außerhalb spezieller Tiny-House-Siedlungen – wie zum Beispiel am Mirbachplatz in der Nähe des Berliner Weißensees – ist es jedoch meist schwer, einen geeigneten Platz zu finden. Häufig scheitert dies an den Vorgaben der jeweiligen Landesverordnungen oder kommunalen Bestimmungen wie dem Bebauungsplan. Einige Gemeinden legen darin zum Beispiel eine Mindestgrundfläche fest, die den Bau von Tiny Houses verhindert.

Tiny-House-Siedlungen bieten ideale Grundstücke für Minihäuser.

Tim Klamann erklärt dazu: „Gute Chancen, um Tiny Houses aufzustellen, hat man dann, wenn man auf einem Freizeitgrundstück baut, das nicht für Dauerwohnraum vorgesehen ist. Für Pendler, die ihren Wohnsitz außerhalb haben und sich eine gelegentliche Übernachtungsmöglichkeit in der Stadt und in Nähe zu ihrem Büro wünschen, kann dies eine spannende Option sein. Andersherum können Tiny Houses auf einem Freizeitgrundstück außerhalb der Stadt auch für Großstädter interessant sein, die ihre Wochenenden im Grünen verbringen möchten. Inwieweit das Konzept der Tiny Houses jedoch ein Mittel gegen die Wohnungsnot darstellt, bleibt vor diesem Hintergrund zweifelhaft.“

Tiny Houses – (noch) keine Problemlöser für bezahlbaren Wohnraum

Minihäuser werden zwar gern als modernes und angesagtes Mittel gegen die Wohnungsnot in den Großstädten dargestellt. Doch bei einem genaueren Blick ist tatsächlich fraglich, inwiefern das Wohnkonzept zur Lösung des Wohnraumproblems in den Großstädten beitragen kann. Neben den rechtlichen Fallstricken bei der Stellplatzsuche bedeutet der Umzug in ein Tiny House nicht zuletzt einen Rückschritt in puncto Komfort. Schließlich fordert das Prinzip „Wohnen im Kleinformat“ notwendigerweise einen minimalistischen Lebensstil und den Verzicht auf vieles, das nicht absolut wesentlich ist. Wie viele Menschen wären nicht nur kurzzeitig, sondern auf lange Sicht dazu bereit? Wären es genug, um das Problem der Wohnungsnot zu lösen? Das bleibt angesichts der Transformation unserer Lebensstile und der Digitalisierung abzuwarten.

Mobiles Wohnen in Tiny Houses: Vielleicht ein Konzept für die Zukunft

Minimalistisch, nachhaltig, mobil – Tiny Houses locken mit vielfältigen Vorteilen. Zugleich ist die Idee vom Minihaus jedoch mit einem nicht zu vernachlässigenden bürokratischen Aufwand verbunden. Die Realisierung dieses Lebensstils ist nicht unproblematisch. Beste Chancen auf einen dauerhaften Stellplatz haben Interessierte, die auf einem Freizeitgrundstück bauen. In diesem Fall fungieren Tiny Houses allerdings mehr als Wochenend-Resort oder Schlaflager für Pendler. Ein Mittel gegen die Wohnungsnot sind sie unter den aktuellen Bedingungen (noch) kaum.


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Tim Klamann

Standortleiter McMakler in Berlin und Brandenburg

Tim Klamann ist für McMaklers Immobilienbüro in Berlin mit 9+ Maklern zuständig. Das erfahrene Makler-Team in der Landeshauptstadt hat, durch seine Marktkenntnis, bereits über 3000 Immobilien in Berlin und Brandenburg erfolgreich vermittelt. Die Leistungen unserer Makler umfassen den Kauf und Verkauf von Häusern, Eigentumswohnungen, Grundstücken und Gewerbeimmobilien in Berlin und dem näheren Umland. Das Vertrauen und die Zufriedenheit unserer Kunden stehen bei McMakler an oberster Stelle. Wir stehen Ihnen als Partner für die Immobilienvermittlung jederzeit zur Verfügung.

Der Wunsch nach einem Eigenheim lässt sich auch über einen Immobilientausch realisieren.