Pfusch am Bau können auch Laien erkennen

Letztes Update: 04.10.2021

Pfusch am Bau können Sie auch als Laie erkennen.

Schon immer hatten Sie den Traum von einem Eigenheim, dem Bau eines Hauses ganz nach Ihren eigenen Vorstellungen? Nun geht dieser Traum endlich in Erfüllung. Dem Einzugstermin blicken Sie und Ihre Familie schon voller Spannung und Vorfreude entgegen. Doch bei der Abnahme Ihres Hauses fallen Ihnen plötzlich Risse in der Fassade auf? Der Wind peitscht durch die undichten Fenster in das Innere Ihres Eigenheims?

Baupfusch - in der Fachsprache wird eher von einem Baumangel gesprochen - ist keine Seltenheit, dennoch ist jeglicher Pfusch an einem Bau für Bauherren natürlich besonders ärgerlich. Es lässt sich sogar behaupten, dass kein Neubau ohne einen Pfusch am Bau auskommt. Dies liegt unter anderem auch daran, dass an einem Hausbau mitunter zahlreiche verschiedene Unternehmen beteiligt sind und gleichzeitig auf derselben Baustelle arbeiten. Hier kommt es leicht dazu, dass die Prozesse nicht zu 100 Prozent reibungslos ablaufen. Je nach Ausmaß kann ein Baupfusch für Sie allerdings zu einer nervenaufreibenden und kostspieligen Angelegenheit werden.

Mit welchen einfachen Maßnahmen Sie Baupfusch vermeiden oder das Risiko zumindest verringern können, haben wir in diesem Artikel für Sie zusammengefasst. Außerdem geben wir Ihnen einige Tipps an die Hand, wie Sie auch als Laie einen Baupfusch erkennen.

Baupfusch kurz erklärt

Wenn von einem Baupfusch gesprochen wird, ist damit ein sogenannter Baumangel gemeint. Dieser liegt vor, wenn der Ist-Zustand eines Neubaus vom vertraglich vereinbarten Soll-Zustand abweicht. Zwischen Bauherren und Bauunternehmen werden in der Regel Abmachungen hinsichtlich Art, Qualität und Güte des Bauwerks getroffen. Jede Abweichung dieser verbindlichen Abmachungen wird somit als Baumangel gewertet.

Bauleiter beauftragen: Ja oder Nein?

Die Beauftragung eines Bauleiters kann sich als sinnvolle Investition erweisen.

Wer bereits ein Haus gebaut oder saniert hat weiß, dass der gesamte Bauprozess nicht nur zeitaufwendig ist sondern auch starker Nerven bedarf. Nicht verwunderlich ist es daher, dass sich die meisten Bauherren für die Beauftragung eines externen Bauleiters entscheiden, der den Ablauf des Baus überwacht und für ein reibungsloses Zusammenspiel der Prozesse sorgt. Neben dem regelmäßigen Besuch der Baustelle, koordiniert der Bauleiter den Bauprozess, er plant die Durchführung von Arbeiten und überwacht diese. Darüber hinaus erkennt ein qualifizierter Bauleiter Mängel meist sofort und sorgt für Sie für deren Beseitigung.

Insbesondere dann, wenn Sie die Abläufe auf der Baustelle aus Zeitgründen nicht selbst überwachen können oder es Ihnen schlicht und einfach an der Erfahrung fehlt, kann sich die Beauftragung eines externen Bauleiters als gute Investition erweisen und Sie hinsichtlich Baupfusch vor bösen Überraschungen schützen.

Dennoch ist es nicht unmöglich auch als Laie einen Pfusch am Bau Ihres Hauses zu vermeiden oder zumindest rechtzeitig zu erkennen.

Pfusch am Bau vermeiden: Augen auf bei der Auswahl des Bauunternehmens

Mit der Auswahl des richtigen Bauunternehmens und der einzelnen Gewerke steht und fällt Ihr Bauvorhaben. Leicht können Sie hier an unseriöse Unternehmen geraten. Daher achten Sie bei der Auswahl auf Qualität und wenden sich an etablierte Unternehmen, die bereits seit mehreren Jahren am Markt bestehen. Hören Sie sich auch in Ihrem Umfeld um! Eventuell haben Freunde und Bekannte bereits Erfahrungen mit einigen Bauunternehmen gemacht und können Ihnen somit Empfehlungen aussprechen. Ein weiterer Anhaltspunkt für die Auswahl eines Bauunternehmens kann eine bestimmte Zertifizierung des Unternehmens sein, so beispielsweise die Zertifizierung nach Norm DIN ISO 9001, auch wenn diese natürlich nicht garantiert, dass Ihnen Baupfusch erspart bleibt.

Eine gute Planung ist das A und O gegen Baupfusch

Experten sind sich sicher: Ein Pfusch am Bau entsteht meist schon bei der Planung eines Bauvorhabens. Auch wenn es natürlich keine Garantie dafür gibt, dass die einzelnen Gewerke beim Bau nicht doch pfuschen, so lassen sich die Risiken für die Entstehung von Baumängeln mit der richtigen Planung bereits deutlich minimieren.

Ein besonders wichtiger Faktor ist dabei die Zeiteinteilung. Berücksichtigen Sie bei der Planung des Baus, dass Sie den einzelnen Handwerksunternehmen für ihre Arbeiten ausreichend Zeit zur Erledigung einräumen. Denn nicht nur ein unqualifiziertes Unternehmen sondern auch Zeitdruck kann zur Entstehung von Baupfusch führen. Seien Sie bei der Planung also realistisch und achten Sie darauf, dass die Firmen ausreichend Zeit erhalten, um ihre Arbeit fachgerecht und mit der nötigen Sorgfalt auszuführen.

Zudem können Sie schon bei der Auswahl Ihrer Materialien, die für Ihren Hausbau verwendet werden, das Risiko für Baupfusch deutlich senken. Bei einem für die meisten Menschen einmaligen Vorhaben wie dem Hausbau lohnt es sich durchaus nicht ausschließlich auf den Preis zu achten. Natürlich sollen Sie nicht unnötig viel Geld ausgeben, dennoch sei es gut überlegt, an welcher Stelle Sie tatsächlich sparen wollen. Denn auch langfristig gesehen ist es durchaus sinnvoll auf hochwertige Materialien zurückzugreifen, da diese meist deutlich langlebiger sind.

Räumen Sie den Bauunternehmen bei der Planung ausreichend Zeit zur Erledigung der Arbeiten ein, um Baupfusch zu vermeiden.

Häufige Baumängel auf einen Blick

So gut wie bei jedem Neubau oder sanierten Objekt lässt sich im Laufe der Arbeiten oder nach Abnahme ein Pfusch am Bau feststellen. Meist befinden sich die Baumängel an bestimmten Stellen. Es gibt also typische Mängel, die statistisch gesehen besonders häufig vorkommen. Schauen Sie deshalb bei der Abnahme der betroffenen Gewerke und Arbeiten etwas genauer hin, denn hier lauert mitunter das größte Risiko für Baupfusch. Einige der häufigeren Pfuschereien haben wir für Sie einmal zusammengefasst:

  1. Putz und Mauerwerk
    Risse im Putz oder im Mauerwerk zählen zu den häufigsten Baumängeln. Ein Grund für das Vorkommen derartiger Risse sind beispielsweise Baustoffe, die miteinander verarbeitet wurden, jedoch nicht zueinander passen. Auch kleinere Fehler in der Verarbeitung können zu solch einem Baupfusch führen.

  2. Das Dach
    Ihr Dach weist Feuchtigkeit und Schimmelbildung auf? Dies ist in den meisten Fällen leider eine unerwünschte Folge von einem Baumangel am Dach. Schimmelpilz kann sich beispielsweise durch eine fehlerhafte und unzureichende Dämmung des Daches bilden.

  3. Fenster und Türen
    Baupfusch an Fenster und Türen ist ebenfalls keine Seltenheit. Häufige Baumängel sind beispielsweise undichte Fenster- und Türlaibungen, wodurch Feuchtigkeit von Außen eindringen kann.

  4. Fußböden
    Anfällig für Pfusch am Bau sind auch die Fußböden. Niemand möchte ungerade Fugen im nagelneuen Parkettboden sehen. Wird ein Fußboden jedoch auf dem falschen Untergrund verlegt, können in der Folge unschöne Fugen zwischen den Elementen entstehen.

  5. Dampfsperre
    Die Dampfsperre einer Fassade soll das Gebäude vor unerwünschter Schimmelbildung schützen. Wurde hier jedoch gepfuscht und die Dampfsperre erweist sich als undicht, kann dies zu Schimmelbildung führen. Die Beseitigung ist meist sehr aufwendig und mit einem hohen Kostenaufwand verbunden.

  6. Keller
    Ihr Keller ist feucht und überall hat sich Schimmel gebildet? Auch dies ist ein Anzeichen für Baupfusch. Der Keller ist höchstwahrscheinlich nicht richtig abgedichtet worden. Die Beseitigung eines Baupfuschs wie diesem ist ebenfalls mit hohem Aufwand verbunden.

  7. Heizungsanlage
    Heizungen heutzutage basieren auf modernster und komplexer Technik. Daher bedarf es einer exakten Programmierung. Falsch eingestellte Heizungsanlagen können unter anderem zu einem erhöhten Energieverbrauch führen.

  8. Haustechnik
    Neben der Heizungsanlage sind die meisten Gebäude heutzutage mit einer Vielzahl an weiterer Technik ausgestattet. Dazu zählt die Sanitärtechnik, die Elektrotechnik oder auch die Lüftungsanlage. Bei der Komplexität der Anlagen ist es nicht verwunderlich, dass es gerade im Bereich der Haustechnik schnell zum Pfusch kommt. Die häufigsten Mängel sind hier schlecht gedämmte Rohre, undichte Lüftungs- oder Kühlungsanlagen oder fehlerhafte Wasserinstallationen.

  9. Estrich
    Ist der Estrich beim Verlegen Ihres Bodenbelags noch feucht, so entstehen mit der Zeit immense Feuchtigkeitsschäden. Diese sind meist erst später sichtbar und zeigen sich unter anderem durch Verfärbungen oder Verformungen des Fußbodenbelags.

  10. Terrassen und Balkone
    In den Außenbereichen Balkone und Terrassen können sich einige Baumängel versteckt haben. So kann unter anderem beim Verlegen des Bodenbelags gepfuscht worden sein. Auch mangelhafte Abdichtungen oder ein wackeliges Balkongeländer sind häufige Baupfuschs.

Pfusch am Bau richtig reklamieren

Sie haben nun einen Pfusch an Ihrem Bau identifiziert, wie gehen Sie nun vor diesen zu reklamieren? Egal ob bei der Abnahme oder erst nach Ihrem Einzug - jetzt ist es wichtig, dass Sie wissen, wie Sie den Baupfusch reklamieren. Die gute Nachricht: Für die Beseitigung von Baumängeln sind die Bauunternehmen zuständig und diese ist für Sie kostenlos. Beauftragen Sie also keine andere Firma! Als Bauherr müssen Sie allerdings die gesetzlichen Gewährleistungsfristen einhalten. Diese sind im Baurecht verankert. Nach der Abnahme der Arbeiten haben Sie demnach 5 Jahre Anspruch auf die Beseitigung des Mangels.

Was passiert, wenn Sie einen Baupfusch erst nach 5 Jahren entdecken?

Die meisten Pfuschs am Bau werden zwar während der Bauzeit oder innerhalb der im Baurecht festgelegten Verjährungsfrist aufgedeckt. Doch einige Baumängel, insbesondere die versteckten, bleiben teilweise auch über Jahre unentdeckt. Besonders ärgerlich daran: Als Bauherr haben Sie nach Ablauf der Verjährungsfrist die Kosten zur Behebung des Baupfuschs selbst zu tragen. Ausgenommen davon sind allerdings arglistig verschwiegene Baumängel, jedoch liegt die Beweislast hier beim Auftraggeber.

Sobald Sie einen Baupfusch feststellen, dokumentieren Sie diesen umfangreich und detailliert. Erstellen Sie zudem zusätzlich Fotos und Videos, die den Baumangel beweisen. Weisen Sie anschließend das Bauunternehmen direkt schriftlich auf den Mangel hin und setzen Sie eine Frist für die Beseitigung. Nach erfolgter Arbeit sollten Sie die Nachbesserungen anschließend noch einmal gründlich überprüfen.

Eine detaillierte und umfangreiche Dokumentation der Baumängel ist empfehlenswert.


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