Senior Living - Interview mit Constantin Rehberg von lively

Letztes Update: 15.06.2021

Mit einem neuen, innovativen Konzept will der Senior-Living-Anbieter lively aus Hamburg den deutschen Markt für Betreutes Wohnen aufmischen. Die beiden Co-Founder Christina Kainz und Constantin Rehberg, die zuvor gemeinsam beim Designhotel-Betreiber Prizeotel tätig waren, setzen mit ihrem Konzept auf modernen Wohnraum in Kombination mit Gemeinschaftsflächen und optionalen Serviceleistungen für Personen ab 65 Jahren. Immer im Fokus steht dabei die Lebensqualität der Bewohner durch Förderung von Mobilität, Lebensfreude und Selbstbestimmung. Die modernen Quartiere sollen den Senioren ein selbstbestimmtes Leben mit einem aktiven Lebensumfeld ermöglichen.

Bereits 2023 soll der erste Standort öffnen. Lively rechnet darüber hinaus mit bis zu vier neuen Standorten pro Jahr.

Wir haben mit dem Co-Founder Constantin Rehberg über das innovative Co-Living Projekt gesprochen. Erfahren Sie im Interview, was hinter lively steckt, wie die Idee entstanden ist und wie es in der Zukunft mit lively weitergehen soll!

Die Gründer des Senior-Living-Anbieters lively: Constantin Rehberg und Christina Kainz

Interview mit Constantin Rehberg von lively

Erzählen Sie uns doch bitte zuerst einmal, worum es bei lively geht. Wie sieht Ihr Konzept aus?

CR: lively ist eine hybride und neuartige Wohnform, welche das Beste aus den Bereichen Wohnen, Aktivität, Pflege und Service verbindet und damit ein Zuhause und ein aktives Lebensumfeld speziell für Senioren schafft. Rein technisch gesehen treten wir dabei als Betreiber von Immobilien auf und vermieten Wohnraum in Kombination mit flexiblen Serviceleistungen. Dabei stellen wir die Lebensfreude in den Fokus und sind daher bewusst bunt und fröhlich, ohne dem Thema die nötige Ernsthaftigkeit abzusprechen.

Bei lively liegt der Fokus unter anderem auch darin, den BewohnerInnen ein aktives Lebensumfeld zu bieten, eine Community zu verschaffen. Hebt sich lively hierdurch von anderen Projekten ab? Und wie unterscheidet sich lively darüber hinaus zu anderen Projekten, die ein betreutes Wohnen im Alter versprechen?

CR: Christina und ich kommen beide aus der Hotellerie und sind Gastgeber von Herzen und diese Mentalität übertragen wir auf lively. Eine besondere Wohnatmosphäre muss alle Sinne ansprechen und wir haben uns viele Gedanken darüber gemacht, wie wir die Bedürfnisse der Menschen – und damit meinen wir nicht nur die Bewohner*innen, sondern auch Angehörige und unser eigenes Team – wirklich in den Mittelpunkt stellen. Ob wir uns dabei von anderen unterscheiden, interessiert uns selbst gar nicht so sehr. Wichtig ist für uns, dass wir einen Ort zum Wohlfühlen schaffen und Menschen miteinander verbinden.

Den Begriff „betreutes Wohnen“ mögen wir dabei selbst übrigens gar nicht so sehr, er kommt etwas altbacken daher und gibt den Menschen nicht das Wohlfühlgefühl, welches wir vermitteln möchten. Da wir uns auch bewusst an Menschen ohne Pflegegrad richten, nennen wir es daher eher Serviced-Living.

Nicht zuletzt aufgrund der demographischen Entwicklung unserer Gesellschaft, ist das Thema Wohnen im Alter in den Fokus gerückt. Die Nachfrage nach Betreutem Wohnen ist stark gestiegen. Was war Ihre Motivation hinter dem Projekt lively und wie ist die Idee entstanden?

CR: Gemeinsam mit meiner heutigen Co-Founderin Christina habe ich einige Hotels eröffnet und wir haben uns während dieser Zeit immer die Frage gestellt, warum Wohnangebote für ältere Menschen oftmals so wenig Charme haben und an den Bedürfnissen der Menschen vorbei designed sind. Und das ist im Kern heute auch unsere Motivation: Wir möchten ein Wohnangebot schaffen, welches sich wirklich an den Bedürfnissen der Menschen orientiert und gleichzeitig leistbar ist. Ein Ort, an dem man sich gerne aufhält und seinen Lebensabend genießen kann.

Zusätzlich möchten wir auch mit einigen gesellschaftlichen Barrieren brechen. Heute haben Angehörige oftmals keine guten Assoziationen im Kopf, wenn Sie aufgrund veränderter Lebensumstände etwas Neues für Ihre Liebsten suchen müssen. Darüber hinaus ist das Wohnen im Alter oftmals mit weniger Lebensqualität verbunden. Wir finden, das muss nicht sein.

Wohnen im Alter: Das innovative Konzept von lively

Betreutes Wohnen ist sicherlich an diverse Auflagen gebunden. Welche Herausforderungen gab es bei Ihrem Projekt zu meistern?

CR: Wir verfolgen einen intuitiven und barrierefreien Ansatz im Hinblick auf unser Interior Design. Das ist etwas, was es so im Bereich des Senior-Living heute in Deutschland in der Form nicht gibt und so liegt die größte Herausforderung darin, Partner zu finden, die wirklich Bestehendes in Frage stellen möchten und bereit sind, neue Weg zu gehen. Hier hilft uns glücklicherweise unsere Erfahrung und unser Netzwerk aus der Hotellerie sehr und so konnten wir in den letzten Monaten bereits ein starkes Partnernetzwerk aufbauen.

Für unser Interior Design arbeiten wir daher nicht nur mit Designern und Architekten zusammen, sondern auch mit einer Sachverständigen für barrierefreies Bauen. So können wir gewährleisten, Design und Funktionalität elegant zu kombinieren und das erwähnte intuitive barrierefreie Interior Design zu entwickeln. Das heißt, dass viele Dinge bei uns zwar barrierefrei sind, dies aber auf den ersten Blick nicht erkennbar ist.

Für wen eignet sich lively und welche Service-Leistungen werden bei lively angeboten?

CR: lively soll ein Produkt für alle sein. Für schließen niemanden aus und möchten keine Zwänge aufbauen. Daher richten wir uns an all diejenigen, die ein fröhliches und glückliches Leben im Alter genießen möchten.

Im Hinblick auf die Service-Leistungen sind wir sehr flexibel. So verzichten wir bewusst auf eine Vollküche – diese ist oftmals ein Preistreiber und kann niemals die Bedürfnisse aller Bewohner*innen erfüllen. Daher haben wir ein Food-Konzept entwickelt, welches stark mit der Nachbarschaft interagiert und auf Netzwerkstrukturen setzt. Zusätzlich gibt es eine Gemeinschaftsküche und eine Pantry in jeder Wohnung. Neben der Kulinarik spielt natürlich auch die Kultur und Naherholung der Umgebung eine wichtige Rolle.

Auch alle anderen Leistungen sind sehr flexibel. Wir gestalten unsere Verträge so, dass sie einen großen Spielraum ermöglichen. Jeder soll nur für das bezahlen, was er wirklich benötigt – hier übertragen wir bewährte Prinzipien aus der Economy und setzen auf sehr schlanke Prozesse. Mittels unserer Technologieplattform und unseres Teams vor Ort können wir sehr individuell auf Wünsche reagieren und verstehen uns als Enabler und Möglichmacher.

Heisst das, lively ist für die breite Bevölkerung gedacht? 
Den heutigen Rentnern geht es finanziell überwiegend gut. In der Zukunft könnte sich dies ändern. 
Wie können die Senioren das Serviced-Living finanzieren? Können sich Senioren mit einer verhältnismäßig kleinen Rente Wohnformen wie lively sie anbietet überhaupt leisten?

CR: Für uns war von Anfang an klar, dass wir ein sehr leistbares Produkt schaffen möchten und so haben wir darauf auch sehr viel wert gelegt. Generell hilft uns hierbei die große Flexibilität des Leistungskataloges - die meisten Leistungen können bei uns flexibel nach Bedarf hinzugebucht werden und wir verzichten auf klassische Preistreiber wie eine Vollküche oder ein Schwimmbad. Weiterhin können wir durch die unterschiedlichen Wohnungsgrößen auch im reinen Wohnraum unterschiedliche Preise anbieten. Natürlich hilft auch der Ansatz der Sharing-Economy Kosten zu reduzieren - wir stellen von Waschmaschine, über Staubsauger, Internet und Carsharing-Autos viele Dinge zur Verfügung.

Im Hinblick auf die Zukunft hilft uns neben dem flexiblen Leistungskatalog unser Ansatz der Digitalisierung. Wir möchten nicht, dass teure Verwaltungsprozesse zukünftig mitfinanziert werden müssen. Daher setzen wir von Beginn an auf eine sehr digitale Struktur, mit der wir als Betreiber viele Dinge automatisieren können.

Inwieweit kann der Verkauf einer nicht mehr passenden Immobilie den Grundstock zum Einstieg bei lively bieten?

CR: Vielen wird das eigene Haus im laufe der Zeit zu groß und zu aufwändig, zu viel Platz und zu viele Aufgaben, die man nicht mehr übernehmen möchte. Daher sehen wir den Trend sich im Alter zu verkleinern schon heute und wir rechnen hier mit zunehmender Dynamik. Sofern das Eigenheim mal als Altersvorsorge gedacht war, macht es ja auch aus rein finanzieller Sicht Sinn dies entsprechend zu nutzen und auf den altersgerechten (und häufig sehr teuren) Umbau zu verzichten.

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Haben Sie konkrete Planungen für das weitere Geschäft mit lively und wie denken Sie, wird sich der Markt des Betreuten Wohnens weiterhin entwickeln?

CR: Aktuell haben wir eine Finanzierungsrunde abgeschlossen und sind damit gut gerüstet, um einige Projekte zu realisieren und verfolgen recht ambitionierte Pläne. Ein konkretes Wachstumsziel haben wir aber nicht ausgegeben.

Was den Markt betrifft gehen wir von zwei Dingen aus: Aus den letzten Jahren wissen wir, dass Wohn- und Lebensformen sich immer weiter vermischen und die Corona-Pandemie hat diesen Trend zusätzlich beschleunigt. Dies führt dazu, dass sich auch Quartiers- und Projektentwicklungen nachhaltig verändern. Menschen leben nicht mehr isoliert, sondern in enger und aktiver Gemeinschaft. Die Kita und das Senior-Living in einem Objekt sind dafür ein lebendiges Beispiel und derartige Projekte werden wir vielfach beobachten dürfen. Generell ändern sich Nutzungskonzepte von Wohnraum derzeit schneller als je zuvor.

Der zweite Punkt ist das quantitative Angebot. Die Demographie fordert zahlreiche Alternativen ein und sicherlich werden wir daher auch Angebote mit mangelhafter Qualität sehen. Vielleicht braucht es daher auch stärkere und vernünftige Reglementierungen im Hinblick auf die Schaffung von Wohnraum für ältere Menschen.

Schaut man sich Statistiken an, so können wir davon ausgehen, dass die Nachfrage nach altersgerechtem Wohnen / Betreutem Wohnen deutlich weiter steigen wird. Was denken Sie, wie man dieser Nachfrage gerecht werden kann?

CR: Wir glauben, dass es viele und sehr unterschiedliche Alternativen auf den unterschiedlichen Ebenen geben muss. Lebenssituationen und -bedürfnisse sind unterschiedlich und es kann nicht das eine richtige Modell geben. Wir brauchen mehr Variationen und ein facettenreiches Angebot, auch in unterschiedlichen Leistungsklassen.

Fazit

Das Thema Wohnen im Alter rückt zunehmend in den gesellschaftlichen Fokus. Prognosen zufolge werden bereits 2030 rund 34 % der Bevölkerung mindestens 65 Jahre oder älter sein. Schon jetzt fehlt es an altersgerechten Wohnungen, Plätzen in Pflegeheimen oder alternativen Wohnformen. Mit der zunehmenden Zahl an Seniorenhaushalten wird die Versorgungslücke zukünftig weiter wachsen.

Besonders das Betreute Wohnen / Serviced-Living hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend etabliert und es ist davon auszugehen, dass die demographische Entwicklung den Bedarf an innovativen Wohnformen für Senioren, wie lively es anbietet, nur weiter erhöhen wird.

McMakler-Lesetipp

In unserem Ratgeber-Artikel Wohnen im Alter informieren wir Sie über verschiedene Wohnformen, den Hausverkauf oder den altersgerechten Umbau Ihrer Immobilie. Alles rund um das Thema Immobilienverkauf finden Sie zudem hier.

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Bildquellen
Illustration: anke dregnat
Foto: Pascal Lieleg

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