Downshifting: Raus aus dem Hamsterrad

Letztes Update: 12.10.2021

Downshifting ist ein Trend aus den USA.

Freiwillig auf Karriere, Geld und Status verzichten? Klingt unmöglich? Ist es aber nicht! Dieser neue, aus den USA stammende Trend nennt sich Downshifting.

Schon in jungen Jahren verfestigt sich in unseren Köpfen das typische Karrieredogma. Vom Hinaufklettern der Karriereleiter ist häufig die Rede. Direkt nach der schulischen Laufbahn sollten eine Ausbildung oder ein Studium folgen. Sind wir dann ohne Pause im Arbeitsleben angekommen, gibt es nur eine Richtung: Die Leiter hinauf.

Doch ganz oben angekommen, merken Sie, dass Sie überhaupt nicht glücklich sind. Sie fühlen sich erschöpft. Sie verbringen nur wenig Zeit mit Freunden und der Familie. Womöglich fühlen Sie sich gefangen in einem beruflichen Hamsterrad-wie kommen Sie da bloß je wieder raus?

Ein Weg kann der bewusste Karriererückschritt sein. Entgegen des weit verbreiteten Karrierewegs steil nach oben treten Sie beruflich bewusst kürzer. Als Downshifter verzichten Sie auf ein höheres Gehalt oder einen angesehenen Jobposten. Stattdessen gewinnen Sie mehr Zeit für sich, Ihre Hobbies und Interessen.

Was es mit dem Downshifting genau auf sich hat, welche Gründe Menschen zum Downshifting bewegen und wie der bewusste Karriererückschritt gelingt, haben wir in diesem Artikel für Sie zusammengefasst.

Was bedeutet der Begriff “downshifting” überhaupt?

Downshifting lässt sich mit “Herunterschalten” ins Deutsche übersetzen. Sprechen wir vom Begriff “Downshifting” bedeutet dies im Prinzip eine Reduzierung der Arbeitszeit. Der Trend des Downshiftings stammt aus den USA und ist schon längst auch nach Europa geschwappt. Die Reduzierung der Arbeitszeit kann beispielsweise durch einen 6-Stunden-Tag erfolgen, also durch den Wechsel von Vollzeit auf Teilzeit. Ziel der Downshifter ist es, ein selbstbestimmtes, entschleunigtes und bewusstes Leben zu führen.

Weniger Arbeit, mehr Leben

Downshifter sagen Goodbye zum klassischen Nine-to-five-Job und wagen den bewussten Schritt in ein freies und selbstbestimmtes Leben-mit der Hoffnung auf eine höhere Lebensqualität und eine bessere Work-Life-Balance. Durch Downshifting entkommen Sie dem Leistungsdruck und haben wieder mehr Zeit für Ihre Interessen und Hobbys. Für viele bedeutet Downshifting nicht nur, dass sie weniger arbeiten, sondern auch, dass sie mehr Zeit für ihre Leidenschaften haben. Daher ist das Downshifting für viele Menschen auch der erste Schritt in die Selbstständigkeit, zum Beispiel um aus einem Hobby einen Beruf zu machen. Insbesondere in den jüngeren Generationen kann das Downshifting den Übergang in das Digitale Nomadentum darstellen. Wenn Sie sich nun fragen, ob Downshifting auch für Sie eine Option wäre, dann können Sie beruhigt sein. Der bewusste Karriererückschritt ist eben nicht nur ein Trend der jungen Generation, die gerne auf Weltreise gehen und die Welt entdecken möchte. Nicht wenige Menschen entscheiden sich nur wenige Jahre vor der Rente bereits einen Gang runterzuschalten, um mehr Zeit mit der Familie verbringen zu können.

Die häufigsten Gründe fürs Downshifting

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist einer der Hauptgründe für das Downshifting.

Jeder Mensch ist anders und genauso weiß auch jeder, was für ihn persönlich am besten ist. So unterschiedlich wir Menschen sind, so verschieden und vielseitig sind auch die Gründe, warum sich manche für das Downshifting entscheiden. Drei der häufigsten Gründe haben wir dennoch zusammengefasst.

Stress und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Je höher Ihre Position, desto mehr Verantwortung tragen Sie bei Ihrer Arbeit. Damit einher gehen Stress, ein hoher Leistungsdruck und lange Arbeitstage. Am Ende eines harten Tages fallen Sie nur noch ins Bett. Ihre Kinder bekommen Sie womöglich nur noch eine kurze Zeit zu Gesicht.

Gesundheitliche Probleme

Stress und ein enormer Leistungsdruck durch hohe Erwartungen, die an Sie gestellt werden, können krank machen. Bereits seit Jahren nehmen die Fälle psychischer Erkrankungen in Deutschland kontinuierlich zu. Burnout-Diagnosen haben sich im letzten Jahrzehnt hierzulande beinahe verdoppelt. Das bewusste Downshifting stellt für viele den letzten Ausweg dar.

Veränderte Werte und die Frage nach dem Sinn

Geld, Konsum und Karriere! Aber ist das wirklich schon alles? Besonders nach mehreren Jahren im beruflichen Hamsterrad verschieben sich bei einigen Menschen die Prioritäten. Es stellt sich dann die Frage, ob viel Geld und materieller Besitz wirklich glücklich machen. Sie entscheiden sich dazu, dass sie nicht nur an ihrem Jobstatus, ihrem Kontostand oder ihrem materiellen Besitz gemessen werden wollen. Die Karriere und der Beruf werden zweitrangig. In den Vordergrund rücken Familie, Freunde, Interessen und Hobbys. Durch das Downshifting verschieben sich die Prioritäten weg vom materiellen Wohlstand hin zu immateriellen Werten.

Im Zusammenhang mit dem Downshifting stoßen wir immer wieder auf die Stichworte Minimalismus und Konsumverzicht. Der Minimalismus ist ein globaler Trend, der sich als Gegenbewegung zum Materialismus und zum übermäßigen Konsum versteht: Je weniger wir besitzen, desto glücklicher sind wir.

Mehr dazu lesen Sie in unserem Magazinartikel zum Minimalismus-Trend.

Downshifting und die alternative Gestaltung von Arbeit

Arbeit im Homeoffice ermöglicht mehr Flexibilität.

Downshifting kann vieles bedeuten, nicht nur die reine Verkürzung der Arbeitszeit. Zunächst muss jedoch gesagt werden, dass Sie keinesfalls ein Anrecht auf Downshifting haben. Dennoch haben zahlreiche Unternehmen und Arbeitgeber den neuen Trend bereits erkannt. Scheuen Sie das Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten also nicht.

Reduzierung der Arbeitszeit

Der klassische Weg des Downshifting ist die Reduzierung der Arbeitszeit, wie beispielsweise beim Wechsel von einer Vollzeit- zu eine Teilzeitstelle. Ob dabei durch das Downshifting die Woche oder die Tage kürzer werden, kommt natürlich auf die individuellen Wünsche und Vorstellungen eines Einzelnen an.

In Schweden, wo bereits seit längerer Zeit der 6-Stunden-Tag als Pilotprojekt ausprobiert wird, hat sich gezeigt, wie erfolgreich Downshifting tatsächlich sein kann. Und das sowohl für Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber. Es hat sich nicht nur herausgestellt, dass die Menschen produktiver, konzentrierter und motivierter arbeiten, sondern auch, dass es weniger krankheitsbedingte Ausfälle gibt. Doch bei gleichem Workload und weniger Zeit zeigen sich auch die Schattenseiten. Für zahlreiche Angestellte bedeutete die Reduzierung der Arbeitszeit nicht automatisch weniger, sondern sogar mehr Stress durch den Zeitdruck.

Mehr Flexibilität

Downshifting funktioniert nicht nur durch die reine Reduzierung der wöchentlichen Arbeitsstunden, auch mehr Flexibilität bei der Arbeit kann den gewünschten Effekt erzielen. Durch ein Gleitzeitmodell lassen sich beispielsweise Arbeit und Privatleben besser miteinander vereinbaren. Auch die Arbeit im Homeoffice kann den Arbeitsalltag für Sie deutlich erleichtern, da Sie unter anderem die Fahrzeit zur und von der Arbeit sparen und dadurch mehr Freizeit gewinnen. Eine weitere Möglichkeit, die genau genommen ein Trend für sich ist, ist das Sabbatical oder auch Sabbatjahr. Dabei handelt es sich um einen befristeten Zeitraum unbezahlten Sonderurlaubs. Die genauen Konditionen werden meist individuell zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbart. In der Regel handelt es sich allerdings um eine Auszeit vom Job zwischen 3 und 12 Monaten, die sich bestens zum Reisen eignet, aber auch um einfach neue Kraft zu tanken.

Downshifter nutzen eine Auszeit vom Job, um neue Kraft zu tanken.

Der Jobwechsel

Eine weitere Möglichkeit zum Downshifting ist der Job- oder Positionswechsel. Sie geben also beispielsweise Ihre Stelle als Abteilungsleiter auf und klettern auf der Karriereleiter wieder einen Schritt zurück und übernehmen einen Posten mit weniger Verantwortung, Leistungsdruck und womöglich weniger Arbeitsaufwand.

Wie Ihnen das Downshifting gelingen kann

Ein bisschen weniger Arbeit und etwas mehr Leben-das wünschen sich wohl die meisten Menschen. Allerdings bedeutet Downshifting nicht zuletzt auch, finanzielle Einbußen hinnehmen zu müssen. Traut man jedoch den Erfahrungsberichten von erfahrenen Downshiftern, dann ist es durchaus machbar. Zahlreiche Downshifter stellen nicht allein das Modell der typischen Nine-to-five-Woche in Frage. Während es noch früher auf den Status und die materiellen Dinge ankam, wächst bei vielen darüber hinaus das Bewusstsein für die immateriellen Werte. Anstatt viel zu besitzen, sehnen sich die Menschen mehr und mehr nach Selbstverwirklichung und Zufriedenheit.

Inmitten unserer heutigen Leistungs- und Konsumgesellschaft kann der erste Schritt in Richtung Downshifting allerdings schwierig erscheinen. Kein Wunder, dass Sie zuerst einmal zögern. Die Entscheidung sollten Sie jedoch auch nicht zu eilig treffen. Bevor Sie die ersten Schritte wagen und womöglich das direkte Gespräch mit Ihrem Arbeitgeber suchen, sollten Sie sich mit dem Gedanken sorgfältig auseinandersetzen. Was bedeutet Downshifting für mich?

Werden Sie sich darüber klar, was Sie an Ihrer jetzigen Situation ändern wollen und wie die Zukunft aussehen könnte. Worauf kommt es Ihnen an? Was macht Sie persönlich glücklich? Rechnen Sie zudem Ihre Finanzen durch. Mit einem Downshifting geht in der Regel ein geringeres Gehalt einher. An welchen Stellen können Sie also sparen und Ihren Konsum einschränken?

Letzten Endes gibt es eine Vielzahl an Gründen und es kommt auf die Bedürfnisse und Sehnsüchte eines jeden Einzelnen an, wie ein Downshifting gestaltet wird.

Und auch wenn Downshifting bis jetzt nur ein Trend ist, der von vielen bislang belächelt wird, können wir davon ausgehen-wie uns auch die Coronakrise gezeigt hat-dass sich in den nächsten Jahren auf dem Arbeitsmarkt hinsichtlich innovativer Arbeitsmodelle einiges tun wird.

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