Barrierefreies Wohnen: Weniger Hürden, mehr Komfort

Letztes Update: 04.10.2021

Barrierefreies Wohnen: Eine Menge Stolperfallen sind zu bedenken und zu vermeiden.

Für Menschen mit einer Gehbehinderung wie auch für ältere Personen ist barrierefreies Wohnen eine wichtige Voraussetzung für mehr Lebensqualität im Alltag. In unserem Beitrag erklären wir, wie Sie Ihr Zuhause barrierefrei gestalten und welche Hindernisse und Stolperfallen Sie dabei berücksichtigen sollten.

Barrierefrei, barrierearm, seniorengerecht: Wo sind die Unterschiede?

Wer sich über das Thema „barrierefreies Wohnen“ informiert, der trifft schnell auf eine Vielzahl recht ähnlicher Begriffe. Da stellt sich die Frage: Was bedeutet „barrierefrei“ überhaupt? Gibt es Unterschiede zwischen Bezeichnungen wie „barrierefrei“, „seniorengerecht“, „barrierearm“ und „barrierereduziert“? Ja, die gibt es, und sie bedeuten jeweils signifikante Auswirkungen auf die Art und Weise des Wohnens.

Grundsätzlich meint barrierefreies Wohnen als Oberbegriff, dass eine Immobilie bestimmte Kriterien der Barrierefreiheit erfüllt. Welche das jeweils in was für einem Ausmaß sind, kann allerdings sehr unterschiedlich ausfallen:

Seniorengerecht

Bei Wohnobjekten, die als „seniorengerecht“ gelten, handelt es sich häufig um ganz normale Wohnungen, die jedoch über eine günstige Lage mit vielen Einkaufsmöglichkeiten, Arztpraxen, Apotheken und dergleichen mehr in unmittelbarer Nähe verfügen.

Barrierearm/Barrierereduziert

Für Wohnungen der Kategorie „seniorengerechtes Wohnen“ und Objekte, die als „barrierearm“ oder „barrierereduziert“ bezeichnet werden, gibt es keine gesetzlich vorgeschriebenen Kriterien, die diese erfüllen müssten, um die jeweiligen Bezeichnungen tatsächlich zu rechtfertigen. Objekte für ein barrierereduziertes beziehungsweise barrierearmes Wohnen sind allerdings oft ebenerdig gelegen oder befinden sich in einem Haus mit Treppenlift beziehungsweise Aufzug.

Barrierefrei

Wird ein Wohnobjekt als barrierefrei beschrieben, entspricht es in der Regel der DIN-Norm 18040-2. Sie definiert konkrete bauliche Kriterien für barrierefreies Wohnen. Beispielsweise müssen Bewegungsflächen nach den Vorgaben der Norm so bemessen sein, dass Rollstuhl- und Rollator-Nutzer über ausreichend Platz zum „Rangieren“ verfügen. Auch müssen etwa Türen deutlich zu erkennen und leicht zu öffnen sowie zu schließen sein.

Einfache Maßnahmen für barrierefreies Wohnen

Möchten Sie Ihr Zuhause barrierefreier gestalten, können Sie bereits mit einigen gezielten Veränderungen große Effekte erzielen:

  • Für viele Menschen bedeutet Barrierefreiheit in erster Linie Bewegungsfreiheit. Um diese zu ermöglichen, ist eine erste einfache, aber äußerst effektive Maßnahme: Ordnung schaffen und ausmisten. Wer sein Heim von Gegenständen befreit, die nicht zweckdienlich sind, wird sogleich mehr Raum zur Verfügung haben. Sinnvoll ist es in diesem Zuge auch, Alltagsutensilien so in der Wohnung zu platzieren, dass sie problemlos zugänglich und griffbereit sind.

  • Um mehr Bewegungsfreiheit zu erhalten, sollten Sie außerdem gewissenhaft Stolperfallen aufspüren und aus dem Weg schaffen – sei es ein ungesichertes Kabel oder ein umgeschlagener Teppich. Darüber hinaus stellt eine clever installierte Beleuchtung sicher, dass unvermeidbare Stolperfallen stets zu erkennen sind. Das reduziert das Risiko von Stürzen stark.

  • Menschen, die sich im Rollstuhl bewegen, bieten allerlei nützliche Hilfsmittel im Alltag Unterstützung. Mit einem Fensteröffner zum Beispiel fällt das Erreichen von Fenstergriffen gleich viel leichter.

(Um-)Baumaßnahmen für mehr Barrierefreiheit

Möchten Sie umfangreichere Maßnahmen für ein barrierefreies Wohnen ergreifen oder gar eine Immobilie bauen und dabei größtmögliche Barrierefreiheit in der Planung berücksichtigen, gibt es verschiedenste Aspekte, die Sie in Betracht ziehen können:

Vor der Haustür

Barrierefreies Wohnen beginnt nicht erst in den eigenen vier Wänden. Schon vor der Haustür sind einige entscheidende Anpassungen vorzunehmen. Befindet sich im Eingangsbereich beispielsweise eine Treppe, ist eine Rampe unabdingbar, um die Haustür mit einem Rollstuhl oder einem Rollator zu erreichen. Ist die Wohnung auf einer höheren Etage gelegen, kann ein Treppenlift eine unschätzbar wertvolle Alltagshilfe sein.

Hinweis

Wohnen Sie in einer Mietwohnung und möchten bauliche Veränderungen für ein barrierefreies Wohnen umsetzen, sollten Sie dieses Vorhaben unbedingt in Absprache mit dem Vermieter angehen.

Barrierefreies Wohnen wird dank Rampe und Treppenlift möglich.

Im Badezimmer

Um das Badezimmer auf barrierefreies Wohnen auszurichten, empfiehlt es sich, sowohl neben dem WC wie auch in der Duschkabine Haltegriffe zu montieren. Auch Sitzgelegenheiten in der Dusche oder ein Badewannenlift können Optionen sein. Eine verbreiterte, nach außen öffnende Tür ohne Schwelle erleichtert Rollstuhlfahrern das Betreten des Badezimmers. Wer neu baut und ein Duschbad plant, sollte zudem an eine ebenerdige Duschkabine mit ausreichend Platz denken.

Im Schlafzimmer

Das Bett sollte idealerweise so im Raum platziert sein, dass es von mehreren Seiten aus zugänglich ist. Außerdem ist es wichtig, dass dessen Einstieg den Bedürfnissen des Nutzers entspricht und entweder eher hoch oder niedrig ausfällt. Eine Fernbedienung für die Beleuchtung sowie Kleiderschränke mit gut erreichbarer Griffhöhe sorgen für zusätzlichen Komfort.

Im Wohnraum

Höhenanpassbare Sitzmöbel mit Armstützen und Aufrichthilfen erleichtern im Wohnzimmer das Setzen und Aufstehen. Rutschfeste Matten geben zusätzlichen Halt auf dem Teppichboden. Eine nicht zu unterschätzende Absicherung sind zudem robuste Möbelstücke, die bei Bedarf als zuverlässige, erschütterungsfeste Stütze dienen.

Barrierefreies Wohnen: Höhen von Möbeln anpassen für mehr Komfort.

In der Küche

Voll ausziehbare Küchenfronten, leicht zu bedienende Armaturen und ergonomisch platzierte Haushaltsgeräte sind essenzielle Faktoren für ein barrierefreies Wohnen. Außerdem gewährleistet ein Herd mit Abschaltautomatik ein hohes Maß an Sicherheit.

Tipp

Viele Umbaumaßnahmen für barrierefreies Wohnen werden über Förderprogramme der Krankenkassen, der Pflegeversicherung, der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) und verschiedenen Stiftungen unterstützt. Bevor Sie ein geplantes (Um-)Bauprojekt angehen, sollten Sie deshalb prüfen, on Sie Anspruch auf Zuschüsse haben.

Moderne Technik kann barrierefreies Wohnen auf das nächste Level heben.

Barrierefreies Wohnen dank moderner Technologie

Barrierefreies Wohnen umfasst nicht nur eine Anpassung von Räumen und Möbelstücken. Auch mit modernen Technologien lassen sich Lebensqualität und Komfort nachhaltig verbessern:

  • Intelligente Handsender für Jalousien oder Beleuchtung,

  • automatische Ruffunktionen auf Tablets, Telefonen oder Wearables für Notfälle sowie

  • Assistenzsysteme mit Sprachsteuerung

können das Wohnen im Alter oder mit Handicap spürbar erleichtern. Wer Maßnahmen für barrierefreies Wohnen ergreifen möchte, sollte deshalb darüber nachdenken, sein Zuhause direkt zum Smart Home zu machen. Der Zugewinn an Lebensqualität zahlt sich aus.

Barrierefreies Wohnen – packen Sie es an!

Fallen im Seniorenalter Alltäglichkeiten nicht mehr ganz so leicht wie früher, können bereits einfache (Um-)Baumaßnahmen helfen, kleine und große Hürden besser zu bewältigen. Und auch für Menschen mit Handicap lässt sich durch ein Mehr an Barrierefreiheit die Lebensqualität deutlich erhöhen. Holen Sie deshalb das Optimum aus Ihrem Zuhause, schaffen Sie Platz für Bewegung und integrieren Sie auf Ihre individuellen Bedürfnisse zugeschnittene Alltagshilfen. Wichtig ist, dass Sie sich dabei je nach Umfang der baulichen Veränderungen mit Ihrem Vermieter beziehungsweise Ihren Miteigentümern absprechen.


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Der Wunsch nach einem Eigenheim lässt sich auch über einen Immobilientausch realisieren.