EZB hebt den Leitzins an – War’s das jetzt mit dem Immobilienkauf?

Letztes Update: 03.08.2022

Viele Immobilienkäufer befürchten, sich nach der Leitzinserhöhung keinen Kredit mehr leisten zu können.

Bei Immobilienkäufern und -verkäufern geht die Angst um. Nachdem die USA und die Schweiz die Zinswende bereits eingeleitet hatten, ist es nun auch in der Eurozone so weit: Am 21. Juli hat die Europäische Zentralbank den Leitzins auf 0,5 Prozent angehoben. Dies sind 0,25 Prozent mehr als eigentlich angekündigt gewesen waren. Zum ersten Mal seit 11 Jahren steigt der Leitzins wieder – und das bewirkt bei vielen ein ungutes Gefühl. Viele Immobilienkäufer befürchten, dass die Leitzinserhöhung Ihnen ein für alle Mal einen Strich durch die Rechnung gezogen hat. Damit sind sie nicht die einzigen – auch angehende Immobilienverkäufer haben Sorge vor einem Einbruch der Immobilienpreise. Ist der Traum der eigenen vier Wände jetzt endgültig ausgeträumt?

Leitzins steigt zum ersten Mal seit elf Jahren

Monatelang spekulierten Ökonomen, wann die EZB denn endlich die Zinswende einleiten würde. Die Europäische Zentralbank hatte bereits früher im Jahr darauf hingedeutet, dass die Ära der lockeren Geldpolitik in diesem Jahr zum Ende kommen würde. Dies ist keine Überraschung. Die Eurozone erreichte zuletzt eine Inflationsrate von 8,9 Prozent – meilenweit von der idealen Inflation von 2,0 Prozent entfernt.

Durch die Leitzinserhöhung erhofft sich die Europäische Zentralbank, die rasant steigende Inflationsrate ausbremsen zu können. Der Leitzins, auch Hauptrefinanzierungszins genannt, ist der Zinssatz, zu dem sich Banken Geld bei den Zentralbanken leihen. Diesen Zinssatz geben sie anschließend an Ihre Kreditkunden weiter.

Je höher der Leitzins, desto teurer ist es, einen Kredit aufzunehmen. Können sich weniger Menschen einen Kredit leisten, sinkt die Nachfrage nach bestimmten Waren und Dienstleistungen. Daraufhin müssen Anbieter die Preise senken, um die Nachfrage wieder anzukurbeln.

Durch die Leitzinserhöhung erhofft die EZB, die Inflationsrate ausbremsen zu können.

Für angehende Immobilienkäufer klingt dies beunruhigend. Immobilienkredite belaufen sich auf große Geldsummen, die monatlich zu zahlende Rate ist dementsprechend viel höher als bei anderen Krediten. Seit 2011 konnten sich zahlreiche Menschen, vor allem mit wenig Eigenkapital, den Traum der eigenen vier Wände nur aufgrund der günstigen Zinskonditionen erfüllen. Nun scheint die Zeit günstiger Finanzierungen jedoch vorbei zu sein. Denn obwohl die Bauzinsen nicht direkt an den Leitzins gekoppelt sind, bedeutet die Leitzinserhöhung auch eine Verteuerung der Immobilienfinanzierung.

Wieso die Bauzinsen steigen

Seit Januar steigen die Bauzinsen so stark wie seit 10 Jahren nicht mehr. Während sie im Januar 2022 noch bei 1,2 Prozent lagen, liegen sie aktuell bei 3,3 Prozent. Grund sind unter anderem die höheren Renditen auf die Staatsanleihen, an welche die Bauzinsen gekoppelt sind.

Immobilienfinanzierungen sind an sogenannte Pfandbriefe geknüpft, einem festen Zinssatz, zu dem sich die Banken das Geld für die Finanzierung bei Anlegern leihen. Die Höhe des Pfandbriefsatzes basiert dabei auf der zehnjährigen Staatsanleihe der Bundesbank. Der seit zwölf Jahren fallende Leitzins machte die Staatsanleihen lange zu einem sehr attraktiven Investment für Anleger auf dem Kapitalmarkt. Anleger waren bereit, hohe Preise und eine geringe Rendite für die Staatsanleihen in Kauf zu nehmen. Die Bundesbank musste zu Zeiten hoher Nachfrage also nur geringe Zinsen an die Anleger zahlen. Geringe Zinsen für Staatsanleihen bedeuten auch, dass der Pfandbriefsatz gering ausfällt und somit die Zinsen für die Baufinanzierung günstig sind.

Nun steigt der Leitzins jedoch wieder. Somit steigen auch die Zinsen auf dem Geldmarkt wieder an. Kurzfristige Anlagen werden wieder lukrativ, der Kapitalmarkt und somit auch die Staatsanleihen verlieren dagegen an Attraktivität. Um die Staatsanleihen den Anlegern wieder schmackhaft zu machen, muss die Bundesbank die Rendite für Anleger erhöhen und die Zinsen anheben. Steigende Zinsen erhöhen auch den Pfandbriefsatz, weshalb auch die Zinsen für die Baufinanzierung steigen und Immobilienkredite teurer werden. Für den Kreditnehmer bedeutet dies, dass seine monatlichen Raten höher ausfallen.

Noch sind die Bauzinsen auf einem historisch niedrigem Niveau.

Bauzinsen noch historisch niedrig

Was viele jedoch vergessen: Die Bauzinsen sind nach wie vor auf einem historisch niedrigen Niveau. Es handelt sich weniger um eine Zinserhöhung als um eine “Korrektur” – Ein Leitzins von 0 Prozent ist eigentlich nicht die Norm. Eine Erhöhung wirkt nur aus dem Grund so erschreckend, da der Leitzins nun relativ lange auf 0 lag. Eigentlich nimmt der Leitzins, und somit auch die Bauzinsen, erst durch die Erhöhung wieder eine normale Größe an.

Der Traum einer eigenen Immobilie ist auf keinen Fall geplatzt – Immobilienfinanzierungen sind zurzeit nach wie vor günstig. Die Bauzinsen werden jedoch im Laufe des Jahres noch weiter steigen. Wer bereits eine geeignete Immobilie in Aussicht hat, sollte deshalb auf keinen Fall zu lange zögern: Wer jetzt eine Finanzierung abschließt, kann sich die noch günstigen Bauzinsen für die Zukunft sichern.

Ähnlich steht es für die, die bereits eine Immobilie erworben haben und deren Finanzierung bald ausläuft. Es lohnt sich, sich frühzeitig um eine Anschlussfinanzierung zu kümmern. Mit einem Forward-Darlehen kann ein Folgekredit mit den aktuellen Zinsen bereits Jahre im Voraus gesichert werden.

Leitzinserhöhung und Immobilienpreise – kommt es jetzt zu einem Wertverlust?

Auch Immobilieneigentümer haben zurzeit ihre Bedenken. Viele denken aktuell an die Horror-Szenarien aus der Subprime-Krise in 2008.

In den letzten Monaten konnte unter Anbetracht der steigenden Bauzinsen eine Verlangsamung des Preisanstiegs von Immobilien beobachtet werden. Durch den Anstieg der Bauzinsen wird es für Immobilienkäufer nun schwieriger, einen Kredit aufzunehmen. Weniger Menschen können sich eine Immobilie leisten, wodurch sich Immobilien schwerer verkaufen lassen und es zu einem Nachfragerückgang kommt. Immobilieneigentümer, die ihre Immobilie verkaufen wollen, sollten daher nicht mehr zu lange warten. Im Laufe des Jahres werden Immobilienpreise sinken, um die Nachfrage wieder anzukurbeln. Wer seine Immobilie lieber früher als später verkauft, verbessert seine Chancen auf den höchstmöglichen Erlös.

Durch verringerte Nachfrage werden die Immobilienpreise womöglich in diesem Jahr leicht sinken.

Der Preisentwicklung von Bestandsimmobilien steht der des Neubaus gegenüber. Die Baubranche steht durch die Zinsentwicklung stark unter Druck. Viele Bauherren nehmen Abstand von ihren Bauvorhaben, da die zinsliche Belastung für viele zu groß ist. Dies in Kombination mit hohen Materialpreisen, Lieferkettenproblemen aufgrund des Kriegs und der Corona-Pandemie, den hohen Anforderung seitens der Regierung und dem Fachkräftemangel verursachen hohe Mehrkosten beim Bau.

Leitzinsanstieg – Subprime Krise 2.0?

Das Aufnehmen von Krediten ist zwar teurer und der Preisanstieg von Immobilien langsamer geworden – zu einem Marktcrash wie dem in 2008 wird es jedoch keineswegs kommen. Die Immobilienpreise werden nicht plötzlich einbrechen, sondern lediglich nicht mehr weiter steigen. Aufgrund sinkender Nachfrage ist zu erwarten, dass die Preise in den nächsten Monaten leicht sinken werden. Ein Verkauf unter dem Wert der Immobilie wird jedoch nicht nötig werden. Verkäufer brauchen sich also nicht vor einem plötzlichen Wertverfall zu sorgen. Auch die Zinsen für die Baufinanzierung liegen nach wie vor historisch günstig. Für Haushalte mit durchschnittlichem Einkommen wird es also auch in der nächsten Zeit noch möglich sein, sich die eigene Immobilie zu finanzieren. Wer viel Eigenkapital hat, kann auch etwas länger warten, bis sich die Preise der neuen Marktsituation angepasst haben und leicht gesunken sind.

Sie wollen sich zur aktuellen Marktsituation und Ihren Handlungsmöglichkeiten beraten lassen? Setzen Sie sich gerne für ein unverbindliches Gespräch mit McMakler Finance in Verbindung. Hier erhalten Sie ein individuelles Finanzierungsangebot mit den aktuell bestmöglichen Konditionen.

Immobilienfinanzierung mit McMakler Finance
Das Vanlife ist der perfekte Lebensstil für alle, die mehr Freiheit und Zeit in der Natur suchen
Klingt die Anzeige zu schön um wahr zu sein? Ist sie meistens auch.
Viele Immobilienkäufer befürchten, sich nach der Leitzinserhöhung keinen Kredit mehr leisten zu können.
Lohnt es sich im Winter eine Immobilie zu verkaufen?