Steigen die Immobilienpreise in Frankfurt durch den Brexit?

Letztes Update: 02.02.2021

Der Austritt Großbritanniens aus der EU bedeutet für viele in London ansässige Banken, dass sie ihren europäischen Finanzstandort verlegen müssen. Die deutsche Finanzhauptstadt Frankfurt ist als neuer Standort begehrt. Es wird damit gerechnet, dass insgesamt bis zu 8.000 Bankenjobs von der Finanzmetropole London an den Main verlagert werden.

Der Immobilienmarkt in Frankfurt ist angespannt. Seit Jahren wächst die Bevölkerung und begünstigt durch zu wenig neuen Wohnraum steigen die Immobilienpreise rasant an. Viele fürchten, dass der Brexit von Großbritannien nun zu einer weiteren Zuspitzung der Situation führt und die Preise für Immobilien in Frankfurt am Main Londoner Niveau erreichen könnten. Welche Entwicklungen sind zu erwarten? Wie unterscheidet sich die Situation bei Frankfurter Büroflächen und Wohnraum? Antworten auf diese Fragen und Informationen zur aktuellen Preisentwicklung in Frankfurt finden Sie in diesem Artikel.

1. Wie verlief der Brexit von Großbritannien?

Heute sind in puncto Brexit alle Fragen zwischen der EU und Großbritannien geklärt. Der Weg dorthin war beschwerlich. Die Briten stimmten per Referendum am 23. Juni 2016 mit knapper Mehrheit für den Austritt ihres Landes aus der Europäischen Union. Seit dem verliefen die Regierungsverhandlungen des sogenannten “Brexit-Deals” in Brüssel nur stockend. Nach der offiziellen Austrittserklärung des Vereinigten Königreichs am 29. März 2017 sorgten strittige Fragen zwischen dem britischen Premierminister Johnson und der EU immer wieder für ein zähes Ringen um Entscheidungen und Bedingungen im Brexit. Aus Monaten wurden Jahre, bis am 31. Januar 2020 die Unsicherheit ein Ende hatte. Die Briten traten schlussendlich offiziell aus der EU aus. Eine Übergangsphase von elf Monaten wurde bis zum 31.Dezember 2020 festgelegt, welche dazu diente weitere Einzelheiten der Beziehung zwischen England und der EU auszuhandeln. Deutschland soll nach aktuellen Meldungen 455 Millionen Euro als Brexit-Hilfe erhalten, um die wirtschaftlichen Schäden, ausgelöst durch den EU-Austritt der Briten, abzufedern. Der Austritt von Großbritannien hat nicht nur große Auswirkungen für viele Investoren von Londoner Immobilien, sondern macht sich auch in Deutschland, insbesondere auf dem Frankfurter Immobilienmarkt bemerkbar.

Immobilienpreise Brexit: Verlauf des Brexit


2. Welchen Auswirkungen hatte der Austritt für Frankfurt?

Die erste Unsicherheit über den genauen Ablauf des Brexits könnte ein Grund dafür gewesen sein, dass bis zum Jahr 2018, insbesondere aus der britischen Metropole, eine noch eher zurückhaltende Nachfrage nach Frankfurter Immobilien gemeldet wurde. So schien die erste Brexit-Euphorie auf dem Frankfurter Immobilienmarkt bereits Ende 2017 verflogen. Im Jahr 2019 jedoch wurden erste starke Umsatzdynamiken in der Immobilienbranche gemeldet, insbesondere für den Frankfurter Bürovermietungsmarkt. Während die noch relativ hohe Leerstandsquote dort die Brexit-Nachfrage abfedern dürfte, sehen Experten eine weitere Zuspitzung im Wohnungsmarkt voraus. Nach einer Studie der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), haben mittlerweile insgesamt 31 Banken, welche in der britischen Hauptstadt ansässig sind, die Entscheidung getroffen, dass Frankfurt ihr neuer europäischer Standort werden soll. So können die Dienstleistungen der Banken innerhalb der EU weiter angeboten werden. Frankfurt liegt mit der Anzahl von 31 neuen ausländischen Banken weit vor Paris, Dublin und Luxemburg.

Immobilienpreise Brexit: Banken Entwicklung in Frankfurt

2.1 Wie viele neue Stellen werden in Frankfurt geschaffen?

Nach ersten Schätzungen der “Frankfurt Main Finance” erwartet man bis zu 10.000 neue Stellen, die von zuvor in England ansässigen Banken nach Frankfurt verlegt werden sollen. Jetzt wurde die Zahlnach unten korrigiert. In Zukunft würden sich laut der Helaba nicht mehr als 8.000 Brexit-Banker in Frankfurt niederlassen.1 Mittlerweile möchten laut Bundesfinanzministerium 55 Banken und Finanzdienstleister eine Geschäftslizenz für Deutschland erhalten.2 Bis Ende 2021 rechnet die Helaba mit etwa 3.500 Stellen die in Frankfurt hinzukommen. Eine genaue Zahl könne noch nicht festgelegt werden. Was die deutschen Banken betrifft, streichen die Deutsche Bank, die Commerzbank und die Helaba Stellen in London. Erste Personalaufstockungen von Londoner Auslandsbanken fanden, bedingt durch den ursprünglichen Brexit-Termin, bereits im Frühjahr 2019 statt. Hauptgrund hierfür sei aber vor allem ein Stellenaufbau und keine Verlegung von Arbeitsplätzen.

3. Wie sieht die Prognose für den gewerblichen Immobilienmarkt aus?

Die Analysten der Helaba gehen davon aus, dass die zusätzliche Nachfrage am Büromarkt aufgrund des Leerstands und einer Reihe von Projektentwicklungen zu bewältigen sei. In der Tat wurde der Leerstand bei Frankfurter Büroimmobilien in den vergangenen Jahren von über 15 Prozent auf rund zehn Prozent reduziert. Dazu hat auch das robuste Beschäftigungsplus von 54.000 Stellen in den Jahren 2012 bis 2016 beigetragen. Verglichen mit anderen Top-Standorten in Deutschland hat Frankfurt aber immer noch die höchste Leerstandsquote.

Andernorts herrscht inzwischen Flächenknappheit. So könnte sich der strukturelle Nachteil in diesem Bereich des Immobilienmarktes als Vorteil für den Brexit erweisen. Der noch zu erwartende Run aus London auf die Büroflächen in Frankfurt dürfte vom Angebot verkraftet und aufgenommen werden. Doch nur ein Teil des aktuellen Leerstandes im Frankfurter Büromarkt entspricht den hohen Qualitätsansprüchen der Zuzügler aus London. Knapp könnte es auch werden, wenn die Finanzdienstleister von der Themse alle gleichzeitig die gehobenen, zusammenhängenden Büroflächen im exklusiven Frankfurter „Central Business District“ (CBD) zur Miete suchen. Geht das Angebot dieser Flächen zur Neige, könnte auch die Frankfurter Umgebung geeignete Mietobjekte für zuzugswillige Banken bieten. Allerdings ist auch die Nachfrage im Büromarkt am Main nicht in erster Linie durch die Finanzwirtschaft, sondern vielmehr aus den wachstumsstarken Branchen Logistik, Immobilien und dem breiten Feld der wirtschaftlichen Dienstleistungen getrieben worden. Diese könnten parallel zum Brexit-Effekt noch für Zusatznachfrage sorgen. Das würde noch stärker steigende Kaufpreise und Mieten bedeuten. Dennoch betonen Helaba-Analysten, dass Frankfurt zwar Deutschlands teuerster Bürostandort bleiben wird, aber im europäischen Vergleich – insbesondere verglichen mit London – immer noch relativ günstig ist.

Immobilienpreise Brexit: Gewerblicher Immobilienmarkt in Frankfurt

4. Werden die Immobilienpreise in Frankfurt Londoner Niveau erreichen?

Anders sieht die Prognose für den Frankfurter Wohnungsmarkt aus. Hier befürchtet so mancher Frankfurter, dass die Wohnungspreise nach dem Brexit Londoner Niveau erreichen könnten. Und das nicht zu Unrecht: Die Londoner Banker sind enorm hohe Preise gewöhnt. Durch den Brexit sind die Mieten und Hauspreise für Londoner Immobilien durchschnittlich zwar um 20 Prozent gesunken, trotzdem ist der Londoner Immobilienmarkt der teuerste in ganz Europa. Im Jahr 2020 lag der durchschnittliche Immobilienpreis in London bei ca. 6.200 Pfund pro Quadratmeter. Umgerechnet sind 6.200 Pfund ca. 7.000 Euro - in Berlin bezahlt man derzeit weniger als die Hälfte. London war für Investoren immer schon attraktiv, die Befürchtungen, durch den Austritt des britischen Königreichs würden die Hauspreise und Mieten extrem fallen, haben sich nicht bestätigt. Das für deutsche Verhältnisse teure Frankfurt ist für die Banker von der Insel günstig. Eine Verlängerung des ohnehin anhaltenden Preisaufschwungs sowohl bei Mieten als auch bei Kaufobjekten ist die logische Folge und für Käufer wird es immer schwieriger werden, erschwingliche Häuser oder Wohnungen zu finden.

Laut aktuellen Studien hat der Frankfurter Wohnungsmarkt einen jährlichen Bedarf an rund 10.000 neuen Wohneinheiten, unabhängig vom Austritt der Briten aus der EU. Zahlen aus dem Jahr 2016 belegen dagegen jährlich nur 3.670 neu gebaute Wohnungen in der Mainmetropole. Während die Bevölkerung zwischen 2011 und 2016 um 9,4 Prozent gewachsen ist, hinkt der Zuwachs beim Wohnungsbestand in diesem Zeitraum mit nur 3,9 Prozent deutlich hinterher.

Die Schere am Frankfurter Wohnungsmarkt wird sich daher weiter öffnen – zumal es keinen nennenswerten Leerstand gibt. Die Brexit-Zuzügler verschärfen so eine ohnehin angespannte Lage weiter, woraus wiederum höhere Wohnimmobilienpreise und Mieten in Frankfurt resultieren. Stadt und Umland stehen aktuell vor einer großen Herausforderung am Wohnungsmarkt. Ob der Beschluss aus dem Jahr 2017, im Frankfurter Nordwesten einen neuen Stadtteil mit 12.000 bis 30.000 Einwohnern zu errichten, Abhilfe schaffen kann, wird sich zeigen. Bis die ersten Wohnungen dort in drei bis sechs Jahren verfügbar sind, bleibt der Frankfurter Wohnungsmarkt wohl extrem angespannt. Die Preise für Wohnimmobilien werden auch 2021 weiter ansteigen.

Immobilienpreise Brexit: Auswirkungen auf den Frankfurter Wohnungsmarkt


5. Wie sieht der Wohnungsmarkt in Frankfurt aus?

Die McMakler- Marktpreisanalyse aus dem Jahr 2018 gibt Aufschluss über die Entwicklungen des Wohnimmobilienmarktes der hessischen Landeshauptstadt. Demnach stiegen in Frankfurt am Main die Preise für Häuser und Wohnungen im ersten Halbjahr 2018 gegenüber dem ersten Halbjahr 2017 um durchschnittlich 6,5 Prozent auf 4.667 €/m². Besonders eindrucksvoll zeigte sich jedoch die Verschärfung mit einem Blick auf die einzelnen Ortsbezirke der Main-Metropole. Die Innenstadt II mit den Stadtteilen Bockenheim, Westend-Süd und Westend-Nord war mit durchschnittlich 6.843 €/m² der teuerste Bezirk der Stadt. Gefolgt von der Innenstadt III mit Nordend -West und Nordend-Ost sowie Bornheim/Ostend, wo Käufer im Jahr 2018 stolze 6.206 €/m² bzw. 5.820 €/m² für Wohneigentum zahlten. Dies bedeutete inen Preisanstieg von 11,8 Prozent in der Innenstadt II und sogar um 12,8 Prozent in Bornheim/Ostend.

Wer in Frankfurt am Main in der Innenstadt II Wohneigentum erwerben möchte, muss tief in die Tasche greifen. Die durchschnittlichen Quadratmeterpreise waren hier im Jahr 2018doppelt so teuer wie im Bezirk West, wo Käufer durchschnittlich 3.367 €/m² zahlten. Wir beobachteten aber auch, dass das hohe Preisniveau der Innenstadt auf Nachbarbezirke mit bis dato günstigen Immobilienpreisen überschwappte. Vor allem das Schlusslicht im Ranking, der Ortsbezirk West, verzeichnete im ersten Halbjahr 2018 mit über zehn Prozent einen hohen Preisanstieg gegenüber Vorjahr.

Aber auch Nord-West mit 8,5 Prozent, Kalbach/Riedlberg mit 7,5 Prozent, Mitte-West mit 7,2 Prozent und Ost mit 6,4 Prozent Steigerung rückten vermehrt in den Fokus der Kaufinteressenten und ließen die Preise in die Höhe schnellen – wohlgemerkt ohne wesentliche Brexit-Effekte.

Auffällig ist, dass die Immobilienpreise in Süd, Innenstadt III und Mitte-Nord im ersten Halbjahr 2018 im Vergleich zum ersten Halbjahr 2017 mit unter einem Prozent Steigerung nahezu stagnierten. Allerdings rangierten diese Bezirke, aufgrund der ohnehin schon hohen Quadratmeterpreise zwischen 4.566 € und 6.206 €, weiterhin im oberen Preissegment.

Auch Zahlen aus London zeigten, dass sich die Preisspirale weiter drehte. Denn hier sind die Preise im Januar 2018 allein in der City of London um mehr als 18 Prozent gefallen – im Durchschnitt immerhin um 2,6 Prozent, wovon jedoch insbesondere gehobenere Stadtteile betroffen waren. Ein Teil dieses Rückgangs schwappte indirekt auch nach Frankfurt über und wandelte sich in der hessischen Landeshauptstadt in ein entsprechendes Plus.

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6. Sollte ich meine Immobilie in Frankfurt jetzt verkaufen?

Ganz im Gegensatz zur Situation der Käufer, sind die steigenden Immobilienpreise für Eigentümer von Immobilien in Frankfurt ein Segen. Durch die Austritts-Entscheidung der Briten sind die Kaufpreise und Mieten weiter gestiegen. Der Verkauf einer Immobilie lohnt sich mehr denn je. Ob gewerbliche Flächen für ausländische Banken oder privater Wohnraum: für einen reibungslosen Verkaufsprozess kann die Unterstützung eines Maklers hilfreich sein. Mit regionaler Expertise geben die professionellen Makler von McMakler Auskunft über den Wert Ihre Immobilie. Dabei fließen die aktuelle Marktsituation, der Zustand und die Lage Ihrer Immobilie in die Bewertung mit ein, um Auskunft über den bestmöglichen Verkaufspreis zu geben. Ihr Makler berät Sie bei der Entscheidung zum richtigen Verkaufszeitpunkt und kümmert sich umfassend um alle formellen Angelegenheiten sowie die Besichtigungen vor Ort.

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Über die Datenerhebung

Die Marktpreisanalyse von McMakler basiert auf einer Auswertung inserierter Kaufangebote für Häuser und Wohnungen (nur Bestandsbauten, Baujahr bis 2016) verschiedener Immobilienportale für das erste Halbjahr 2017 und erste Halbjahr 2018. Da sich jede Immobilie im Baujahr, der Wohnlage und Ausstattung unterscheidet, sind diese Immobilienpreise keine Grundlage für eine exakte Berechnung des Quadratmeterpreises, sondern dienen als Orientierung.


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Quellen:
1 Handelsblatt
2 Handelsblatt

Bildquellen:
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